Genmais: Im Zweifel gegen das Labor-Gewächs

Genmais: Im Zweifel gegen das Labor-Gewächs

Die Befürworter von Genmais machen es sich zu leicht, wenn sie der CSU Populismus vorwerfen. Ja, Horst Seehofer ist in den vergangenen Monaten immer wieder dadurch aufgefallen, dass er seine CSU eigensinnig gegen die Schwesterpartei in Stellung brachte.

Ja, Horst Seehofer und Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner wissen, dass sie mit einem Gen-Veto so kurz vor wichtigen Wahlen ökologisch-konservative Wähler an die Christsozialen binden.

Doch nicht jede Entscheidung, die im Sog von Wahlkämpfen fällt, muss falsch sein. Das Nein zum Genmais ist im Gegenteil ein wichtiges Signal in Richtung Europäische Union.

Das Unbehagen am Saatgut Mon 810 hat viele Regierungen Europas erfasst - in Ungarn und Österreich ist der Anbau verboten, auch Frankreich und Griechenland weigern sich, die EU-Genehmigung umzusetzen.

Deshalb trifft der Vorwurf nicht, Deutschland isoliere sich international durch eine rückwärtsgewandte Entscheidung. Offenbar wächst die Skepsis gegenüber Versuchen, in den Laboratorien der Großindustrie Evolution zu spielen, und Brüssel wäre gut beraten, diese nationalen Vorbehalte ernst zu nehmen.

Technologie lässt sich eben nicht grundsätzlich mit dem Verweis auf den dehnbaren Begriff des Fortschritts rechtfertigen. Niemand mag heute vorhersagen, welche Kettenreaktionen die Gewächse aus dem Labor in unserem Ökosystem auslösen.

So produziert Mon 810 ein Gift, das einen spezifischen Schädling tötet. Aber wird das gleiche Gift nicht auch Insekten und Würmer angreifen, die wichtig für das biologische Gleichgewicht sind?

Indem Landwirtschaftsministerin Aigner ihre Entscheidung nicht als prinzipielle Abkehr von der grünen Gentechnik verstanden wissen will, reagiert sie angemessen auf die Unwägbarkeiten.

Es wäre in der Tat falsch, Gentechnik zu dämonisieren. Allerdings brauchen wir eine neue Kultur der Beweislastumkehr: Es reicht nicht, wenn es keine Beweise für Gefahren gibt - es muss klar sein, dass Gefahren ausgeschlossen bleiben.

So lange Studien nahelegen, dass eine unkontrollierte Weiterverbreitung des Saatgutes Mon810 nicht auszuschließen ist, bleibt es die Pflicht jeder verantwortungsvollen Politik, seinen Anbau zu verbieten.

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