Gefahrenquelle E-Scooter - Unfälle sind vorprogrammiert

Meinung : Gefahrenquelle E-Scooter - Unfälle sind vorprogrammiert

Experten warnen beim Thema E-Scooter vor einer gefährlichen Scheinsicherheit. Die Ratschläge zur Sicherheit werden jedoch ungehört verhallen - ein Kommentar.

Es soll niemand sagen, er sei überrascht von den sich schon nach wenigen Wochen häufenden Unfällen mit E-Scootern. Dass es dazu kommen würde, war absehbar. Auch der erste tödliche Unfall wird nicht lange auf sich warten lassen. Wenn jetzt Sicherheitsexperten mahnen, dass die Nutzer einen Helm tragen sollten oder dass die gleichen Promillwerte wie beim Autofahren gelten, dann weiß man schon, was mit solchen Ratschlägen passiert: sie verhallen ungehört in einer Spaßgesellschaft, in der sich gehfaule Menschen durch die Gegend rollen lassen statt sich selbst zu bewegen.

Zunächst war ja sogar vorgesehen, dass die E-Roller  zwischen Fußgängern hätten kreuzen dürfen. Das ist zwar nun verboten, passiert freilich dennoch, weil eben diese Regel missachtet wird. Und auch die vom Gesetzgeber gewählte Alternative, dass sich die E-Scooter den Platz mit den Fahrradfahrern auf den Radwegen teilen sollen, ist zwar eine nette Idee. Doch hätte man dafür erst mal die Infrastruktur ausbauen müssen. Mit breiteren Radwegen, die auch ein sicheres Überholen erlauben.

Gerade die jetzt inflationär in den Städten auftauchenden Leih-Scooter, die auch schon mal mitten auf dem Gehweg abgestellt werden,  wenn der Fahrer sein Ziel erreicht hat, bergen eine besondere Gefahr: dass völlig Ungeübte sich direkt ins Verkehrsgetümmel stürzen. Ohne, wie es etwa der Käufer eines eigenen Fahrzeugs macht, zunächst mal auf sicherem Terrain  zu üben. Doch dafür hat keine Zeit, wer einen Euro zum Entsperren des Fahrzeugs und dann 19 Cent pro Minute bezahlt.

Keine Zeit zum Üben, los geht’s. Wenn es dumm läuft, direkt ins Krankenhaus. All das wäre ja noch mit einem „Selbst schuld“ hinzunehmen, wenn nicht auch andere Verkehrsbeteiligte mit hineingezogen würden in die Folgen dieses zweifelhaften Spaßes. A propos Spaß. So viel Spielverderberei musste jetzt einfach mal sein.

Peter Kurz. Foto: Sergej Lepke
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