Gefahr von rechts für die Feuerwehr

Meinung : Gefahr von rechts für die Feuerwehr

Hat die Feuerwehr ein Problem mit rechtsnationaler Unterwanderung? In dieser Pauschalisierung ganz gewiss nicht. Aber sie muss sich darüber bewusst sein, dass sie für solche Versuche zumindest hochattraktiv ist, insbesondere im ländlichen Bereich.

Wer weiß, wie sehr sie vor Ort oft noch traditionell verwurzelt ist, nicht nur als Retter in der Not, sondern auch als gemeinschaftsstiftender Treffpunkt und attraktive Anlaufstation für Jugendliche, der weiß auch, wie verlockend der Versuch sein kann, über sie Einfluss zu gewinnen.

Die AfD sucht ganz gezielt Anschluss dort, wo sie sich als Kümmerer inszenieren und so Stimmungen an der Basis beeinflussen kann. Das gilt nicht nur für die Feuerwehr, das gilt auch für Vereine und Bürgerinitiativen. Auf diese Gefahr hinzuweisen, ist nicht nur das Recht eines Verbandspräsidenten, sondern sogar seine demokratische Pflicht. Hartmut Ziebs deswegen einen Verstoß gegen weltanschauliche Neutralität vorzuwerfen, ist absurd: Es geht ihm ja ganz im Gegenteil darum, genau diese Neutralität zu wahren und die demokratische Grundhaltung der Feuerwehr zu sichern.

Ein Kommentar von Ekkehard Rüger. Foto: ja/Sergej Lepke

Erschreckend ist nicht diese Positionierung, erschreckend ist, zu welcher konzertierten Gegenreaktion das inzwischen geführt hat. Fünf seiner Stellvertreter und eine wachsende Zahl von Landesverbänden stellen sich gegen den international renommierten Feuerwehrexperten. Bei genauerem Hinsehen ist das nicht überall überraschend: Lars Oschmann beispielsweise, einer der Vizepräsidenten, ist als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion im thüringischen Ilm-Kreis aktiv – dort, wo die CDU schön öfter AfD-Mitglieder in Ausschuss­ämter wählte oder sie gar dafür vorschlug.

Dem steht eine breite Solidarisierung der Feuerwehrbasis mit Ziebs gegenüber. Der Deutsche Feuerwehrverband wäre gut beraten, auf sie zu hören.

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