„Fridays for Future“ - Die Schülerdemos sind richtig und wichtig

Meinung : „Fridays for Future“ - Die Schülerdemos sind richtig und wichtig

Natürlich ist die Teilnahme an einer Demo an einem Freitag ein Verstoß gegen die Schulpflicht. Aber wie lächerlich kleinlich ist dieses Argument gegen die große Sache.

Was soll Schule den Menschen beibringen? Klar, das ABC, das Einmaleins und so etwas. Darüber hinaus aber vor allem soziale Kompetenzen. Interesse für die eigene Zukunft und für die Gesellschaft. Allen Schülerinnen und Schülern, die für „Fridays for Future“ auf die Straße gehen, gebührt da schon mal eine gute Kopfnote. Sie sind weit interessierter und aufgeweckter als ihre Altersgenossen, die die Tage verdaddeln. Und sicher auch als ihre Eltern, die morgens gedankenlos den SUV starten. Obwohl sie als Erwachsene viel mehr über den Klimawandel wissen müssten.

Es gibt ja den Spruch, dass nicht jung war, wer nicht als Junger revoltiert hat, und dass nicht erwachsen geworden ist, wer es als Erwachsener immer noch tut. Bei der Klimafrage dreht sich das genau um. Sie ist eigentlich viel zu groß und viel zu ernst, als dass sich 16-Jährige damit herumplagen sollten. Die sollen lieber ihr junges Leben unbeschwert genießen und nicht an globale Katastrophen denken, die nur Angst machen. Die Erwachsenen müssten aktiv werden. Sie haben die Klimakrise, die sich jetzt so zuspitzt, mit ihrer Lebensweise verbockt.

Ein Kommentar von Werner Kolhoff. Foto: nn

Die Alten aber sind nicht die „Profis“ für Klimaschutz, wie FDP-Chef Christian Lindner meinte. Sie sind wie Lindner selbst nur Profis darin, immer neue Ausreden zu finden, um nicht zu handeln und eigene Klimabeschlüsse zu missachten. Sie versagen hier komplett. Es wäre ein Witz der Geschichte, wenn sie nun auch noch die Jungen dafür bestrafen würden, dass diese einspringen.

Natürlich ist die Teilnahme an einer Demo an einem Freitag ein Verstoß gegen die Schulpflicht. Aber wie lächerlich kleinlich ist dieses Argument gegen die große Sache. Und komme keiner damit, was denn wäre, wenn alle so etwas machen würden. Zum Beispiel Rechte mit Schülerstreiks gegen Ausländer. Erstens machen das nicht alle. Und zweitens richten sich die Aktionen von Fridays for Future nicht gegen irgendjemanden. Sondern für etwas: die eigene Zukunft und die der Menschheit.

Man könnte es auch so sehen: Jeder, der daran teilnimmt, nimmt im Grunde an einem selbst gestalteten Gemeinschaftskundeunterricht teil. Er übt politische Argumentation. Er lernt Kommunikation und Medienmechanismen. Er erkundigt sich über naturwissenschaftliche Zusammenhänge der Erderwärmung. Nicht die Schule ist hier die beste Schule. Die Demonstration ist es. Natürlich steht niemand über dem Gesetz. Auch die Schüler nicht. Also muss der Verstoß irgendwie vermerkt werden. Die Klassenlehrer sollten Einträge machen und die Sache auch auf den Zeugnissen vermerken. Formulierungsvorschlag: „Hat sich während der Schulzeit mehrfach freiwillig für eine gute Sache engagiert.“ Setzen. Eins. Der Billigflug zur Abifete in Lloret de Mar entfällt allerdings.

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