Meinung: Fortunas zweite Chance

Meinung : Fortunas zweite Chance

"Fast niemand hatte Fortuna Düsseldorf zu Saisonbeginn diesen Triumph zugetraut hätte. Die Mannschaft war keiner jener gestrauchelten Dinos, die einmal ausgerutscht und dann in einem Kraftakt wieder aufgestanden sind. Fortuna hatte sich vielmehr zahlreiche Beine selbst gestellt." - Ein Kommentar von Olaf Kupfer

Als die Westdeutsche Zeitung Fortuna-Vorstand Robert Schäfer Anfang März fragte, was Fortuna der mögliche Aufstieg bringen würde, sagte Schäfer: „Mindestens eine Verdoppelung an Umsätzen. Und eine Verdoppelung an Aufmerksamkeit für unsere Stadt. Also: 100 Prozent mehr in allen Bereichen.“ Nicht nur unter diesen Aspekten darf man dem Fußball-Zweitligisten aus der Landeshauptstadt zu einer famosen Rückkehr in die deutsche Beletage gratulieren.

Zu berücksichtigen ist nämlich, dass fast niemand der Mannschaft zu Saisonbeginn diesen Triumph zugetraut hätte. Düsseldorf war keiner jener gestrauchelten Dinos, die einmal ausgerutscht und dann durchgeplant in einem Kraftakt wieder aufgestanden sind. Fortuna hatte sich vielmehr nach einem segensreichen Aufstieg 2012 zahlreiche Beine selbst gestellt. Zuerst mit einem unnötigen Sofort-Abstieg, dann mit einer Vielzahl von Managementfehlern und haarsträubenden Personalentscheidungen in den Jahren darauf. So ging das Geld, das man seinerzeit schon sehenswert in einem Jahr erste Liga akquiriert hatte, nach und nach dahin.

(Ein Kommentar von Olaf Kupfer, Foto: Sergej Lepke)

Zugleich war es der Weckruf: Was, wenn man in dieser Potenzial-Stadt vernünftig wirtschaften und handelnde Personen klug auswählen würde? Die Lösung: Dann steigt man schneller auf, als man in dieser kuriosen Zweitliga-Saison gucken konnte. Ein echter Trumpf war eine funktionierende Scouting-Abteilung, die alte Schwächen der Vorsaison wie fehlende Schnelligkeit herausragend ausgemerzt hat. Ein zweiter war der organisatorische Weitblick der Vereinschefs, die ein bisweilen chaotisches Umfeld ordneten und Trainer-Routinier Friedhelm Funkel als passende Unterstützung integrierten. So blühte eine charakterlich einwandfreie Mannschaft auf, die jetzt freilich noch erheblich verbessert werden muss. Aber, und das ist die gute Nachricht: Man darf Fortuna dabei viel Vertrauen schenken. Das war gewiss nicht immer so.

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