Meinung Flexi Rente: So flexi wie ein Holzbalken

Das Flexi-Renten-Konzept der großen Koalition ist ungefähr so flexi, wie ein Holzbalken weicher als eine Stahlstrebe ist: Nur geringfügig. Vor allem ist die Regelung immer noch so kompliziert, dass kaum mehr als jetzt davon Gebrauch machen werden.

Zumal auf die Nutzer die Gefahr lauert, dass von der Teilrente sogar nachträglich noch Geld zurückgefordert werden kann, wenn der Hinzuverdienst doch etwas höher war als kalkuliert. Vielleicht durch eine Weihnachtsgratifikation. Bei den Betroffenen wird dann die Ernüchterung groß sein.

Außer dass für Flexi-Rentner wenigstens keine Arbeitslosenversicherung mehr einbezahlt werden muss, weil sich dieser Personenkreis sowieso nicht mehr arbeitslos meldet, gibt es auch kaum bürokratische Entlastungen. Ziel muss es doch sein, jenen, die über den regulären Renteneintritt hinaus arbeiten wollen, weil sie sich fit fühlen oder das Geld brauchen, das unbürokratisch zu ermöglichen. Auch ihren Arbeitgebern. Und jenen, die früher kürzer treten wollen, ohne ganz aufzuhören, einen gleitenden Übergang aufs Altenteil zu verschaffen.

Das Werk der Regierung aber ist wie oft in der Sozialpolitik der Versuch, bei einer Reform alle Nebenwirkungen auszuschließen. Vor allem sollen die Rentenkassen nicht belastet werden und die Flexi-Rentner keine Billig-Arbeitskonkurrenz sein. Im Ergebnis lautet die Lösung: Wir drehen am besten nur an ein paar kleinen Rädchen.

Ein größeres dreht unter den Parteien in Punkto Flexi-Rente derzeit nur die FDP, die sich an dem Vorbild Schweden orientiert: Möglichkeit zum Bezug der dann erworbenen Rente schon mit 60, sofern man dadurch nicht zum Armutsfall wird, völlig freie Hinzuarbeitsmöglichkeit ohne Abzüge, so lang man kann und will, aber auch Pflicht zur weiteren Einzahlung in die Rentenkasse. Eigentlich ganz einfach.

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