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FDP-Minister Stamp im Unsicherheitsraum

Meinung : FDP-Minister Stamp im Unsicherheitsraum

Joachim Stamp hat es als FDP-Minister in Nordrhein-Westfalen nicht immer leicht. Und in seinem Eifer, in der Corona-Krise deutlich mehr Kita-Kindern die Rückkehr in die Tagesstätten NRWs zu ermöglichen, gerät er nun mit SPD-Familienministerin Franziska Giffey aneinander.

Tatsächlich hat es Joachim Stamp als FDP-Minister in Nordrhein-Westfalen mit seinen Bundeskollegen, die unter anderer Farbe entscheiden, nicht immer leicht. In der Verantwortung für Flüchtlinge wird der Liberale Stamp bei pragmatischen Vorstößen ständig von CSU-Innenminister Horst Seehofer ausgebremst. Und in seinem Eifer, in der Corona-Krise deutlich mehr Kita-Kindern die Rückkehr in die Tagesstätten NRWs zu ermöglichen, gerät er nun mit SPD-Familienministerin Franziska Giffey aneinander. In beiden Fällen mahnt Stamp immer wieder bessere Zusammenarbeit an, gehört wird er selten.

Immerhin treiben Stamp logische Gründe: Kinder im bevölkerungsreichen und dicht besiedelten Nordhrein-Westfalen leben seit Wochen eher weniger in blühenden Gärten auf dem Dorf, als mehr in Zwei-Zimmerwohnungen an der Bundesstraße, oft auch in sozial schwächeren Familien, die die Lernentwicklung nicht zuerst im Blick haben mögen. Die Verantwortung für sie verlangt nach mehr Sichtbarkeit – und die wäre in Kitas gegeben.

Aber: Statt jetzt gut gemeinte, aber flüchtige Entscheidungen zu treffen, in denen Kita-Kinder in Ansammlung zu Protagonisten einer Infektionsvermeidung werden müssen, ohne diesen Auftrag erkennen zu können, kann es auch anders laufen: Man sollte die Zeit nutzen, um Kindertagesstätten infektionsschutzsicherer zu machen, als es Schulen in der nun gebotenen Eile sein können. Und dann an ausgewogenen Konzepten arbeiten, in denen die Vernunft von Kita-Kindern in Bahnen geleitet, nicht aber auf die Probe gestellt wird.

Ein Kommentar von Olaf Kupfer. Foto: ja/Sergej Lepke