1. Meinung

Einig Handball-WM-Land? Nicht ganz

Kampf um Marktanteile : Einig Handball-Land? Nicht ganz

Die Handball-WM hat Millionen-Einschaltquoten. Trotzdem gehen die Meinungen auseinander. Für die Verantwortlichen ist sie eine Chance - die in der Vergangenheit nur selten genutzt wurde. Ein Kommentar.

In den Sozialen Medien tobt seit Tagen ob der Handball-Weltmeisterschaft mit Millionen-Einschaltquoten ein Streit. Und der geht so: Die einen behaupten, Handball sei im Vergleich zum Fußball der attraktivere Sport, dynamisch und spannend, die Spiele vollgestopft mit Toren, die Spieler hart, aber fair und so bescheiden, die Zuschauer sympathisch. Und alle kommen nett ganz ohne Pyro-Feuer in die Hallen.

Die andere Position: Der vermeintlich bewusste Versuch, sich vom Fußball abzuheben, geht vielen auf die Nerven. Das rhythmisch klatschende Hallen-Publikum ist jenen eine Horde von Eventfans, stets nur angetrieben vom Anheizer am Mikrofon. Und: Das Handball-Spiel an sich wird deren Gunst nie finden. Fußball bleibt Volkssport, Handball Abwechslung: hoch geflogen, danach auch wieder tief sinkend.

Und die Wahrheit? Liegt in der Mitte. Fest steht: Niemand aus der deutschen Handballszene stellt selbst diesen unseligen Vergleich zum Fußball her. Das überlässt man jenen, die in ihrer Welt den Fußball zum einzig akzeptablen Maßstab erhoben haben.

Klar ist aber auch: Der Handball will aufholen im Kampf um Marktanteile. Und er hat nach dieser mitreißenden WM gute Voraussetzungen. Die aber hatte er schon oft zuvor – und hat sie selten genutzt. Zum Beispiel 2007, als Deutschland einig Handball-Weltmeisterland war und alle Kinder Handball spielen wollten, nur dann keine Hallenzeiten, Vereine und Trainer zur Verfügung standen.

Auch jetzt mahnen die Experten, die Gunst der Stunde besser zu nutzen, weil nach einer möglichen deutschen Finalteilnahme die Aufmerksamkeitskurve wieder rapide nach unten zu schießen droht – und die Handball-Bundesliga regionales Phänomen bliebe.

Ein Vorgeschmack ist die Ankündigung der Gebührensender, ein WM-Finale ohne deutsche Beteiligung nicht zu übertragen. Diese WM ist die Chance auf einen echten Fortschritt des deutschen Handballs. Die National­mannschaft hat vorgelegt, jetzt sollten längst vorbereitete Konzepte greifen.