E-Mobilität: Die Jagd nach der grünen Batterie

Meinung : E-Mobilität: Die Jagd nach der grünen Batterie

Als einen „Quantensprung für den Innovationsstandort NRW“ hat Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (NRW) den millionenschweren Zuschlag aus Berlin für die Batterieforschungsfabrik bezeichnet. Und das ist nicht übertrieben.

Mit der Entscheidung vom Donnerstag ist klar: Bei dem gewaltigen Vorhaben der Bundesregierung, wieder Anschluss an die in Sachen Batterieproduktion längst davongeeilten Asiaten zu finden, hat Nordrhein-Westfalen künftig den Hut auf.

Das fuchst die Bewerber aus fünf anderen Bundesländern verständlicherweise gewaltig. Aber den NRW-Erfolg, wie im unterlegenen Baden-Württemberg schon geschehen, vor allem darauf zu schieben, dass Bundesforschungsministerin Anja Karli­czek aus Ibbenbüren stammt, das beim Nachhaltigkeitskonzept des Siegerprojekts eine wichtige Rolle spielt, ist dann doch etwas zu billig. Der Münsteraner Chemiker Martin Winter zählt zu den international führenden Batterieforschern. Und mit dem Aachener Duo Schuh/Kampker sitzt wissenschaftliche Kompetenz mit im Boot, die schon bewiesen hat, wie aus guten Ideen auch ein marktfähiges Produkt werden kann.

Ein Kommentar von Ekkehard Rüger. Foto: ja/Sergej Lepke

Für langes Schmollen auf Seiten der Verlierer ist ohnehin keine Zeit. Deutschland verhält sich in der Frage der Batterieproduktion für die E-Mobilität gerade wie ein Läufer am Start, der erst den Schuss nicht gehört hat, aber dann losrennt wie ein Irrer. Die Anforderungen des Wettbewerbs um den Standort der Forschungsfabrik wie auch die zeitlichen Vorgaben zu ihrer Realisierung sind mit „ambitioniert“ noch zurückhaltend beschrieben. Es werden genug Aufgaben für andere Forschungszentren bleiben. Sie wären gut beraten, das NRW-Angebot der „ganz weit offenen Türen“ ernst und anzunehmen.

Ob das Hinterherhecheln im weltweiten Batteriemarkt am Ende aber auch zielführend sein wird, ist noch offen. Bei der Forschung hat sich NRW klug positioniert mit der Betonung größtmöglicher Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit bei gleichzeitiger Wahrung sozialer Produktionsbedingungen. Gelingt der Forschung hier ein Durchbruch, könnte das in der Tat ein entscheidender Schritt zur weiteren Legitimation der E-Mobilität sein.

Aber höhere Standards haben in der Regel auch ihren Preis. Und dass es am Ende, wie von der Bundesregierung gewünscht, wirklich gelingt, die gesamte Wertschöpfungskette, also auch die Fertigung, in Deutschland zu marktfähigen Preisen zu etablieren, erscheint im Augenblick noch fraglich. Kunden, die in breiter Masse bereit sind, für größere Nachhaltigkeit tiefer in die Tasche zu greifen – das wäre dann der nächste Quantensprung.