E-Auto-Pionier will Fertigung in Deutschland errichten

Meinung : Tesla elektrisiert

Einst haben sie über ihn gelächelt, jetzt jagt er ihnen Angst ein: Elon Musk, der schräge Emporkömmling aus Kalifornien, will der deutschen Autoindustrie mit einer Fertigung von Autos und Akkus in der Nähe von Berlin Konkurrenz machen.

Großartig. Für den Autostandort Deutschland hat diese Nachricht eine stärkere Signalwirkung als alle Autogipfel zusammen. Wettbewerb hat schon immer dafür gesorgt, besser und schneller zu werden. Tesla elektrisiert. Es gilt unter Gutverdienern als cool, einen Tesla zu fahren, obwohl die Qualität der Autos oft mittelmäßig ist.

VW, Daimler, BMW & Co. müssen hektisch nachholen, was jahrelang versäumt wurde. Elektroautos und Plug-in-Hybride kommen bald in schneller Folge auf den Markt. VW steuert sogar komplett um und setzt langfristig voll auf Batterie­autos. Die Branche erlebt einen Wandel wie nie zuvor. Und dabei wird es viele Verlierer geben, weil Elektromotoren erheblich einfacher als Benziner oder Diesel zu bauen sind. Der Verlust an Arbeitsplätzen lässt sich durch die Digitalisierung der Fahrzeuge nicht einmal annähernd ausgleichen.

Leider gelingt es der Politik nicht, für den Weg in die E-Mobilität einen vernünftigen Rahmen zu setzen. Trotz Klimaschutzgesetz steigt der Benzinpreis kaum, der Diesel wird weiter subventioniert, beim Ausbau der Ladeinfrastruktur gibt es zu viele offene Fragen. Das Schlimmste aber ist, dass wir uns beim Ökostrom selbst im Weg stehen. Die geplanten Einschränkungen für neue Windräder stellen sämtliche energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung in Frage. Ohne neue Windmühlen an Land ist ein Ökostrom-Anteil von 65 Prozent bis 2030 nicht zu erreichen. Nicht nur die Windlobby schlägt Alarm, sondern die Industrie insgesamt. Sie hat begriffen, dass eine Elektromobilität nichts taugt, wenn der Strom, mit dem die Autos und Bahnen fahren, aus Kohlekraftwerken kommt.

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