Dunkelfeld-Studie soll Gewalt erforschen

Meinung : Gegen die Angst

Der Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zeigt viel Positives. Wohnungseinbrüche, Handtaschenraub, Körperverletzungen, Fahrrad- und Autodiebstähle, Straßenkriminalität: Alle diese Delikte wurden 2018 bundesweit seltener von der Polizei erfasst als im Jahr davor, in vielen Fällen so selten wie seit Jahrzehnten nicht.

NRW meldet bei der Kriminalität gar den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Trotzdem ist die Lage längst nicht so entspannt, wie es den Anschein hat. Kriminologen halten die PKS für ungenügend, weil sie nur die zur Anzeige gebrachten Taten auflistet. Sie fordern seit Langem, mehr Daten zu erheben, um die Wirklichkeit besser beurteilen zu können.

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist auf diesem Gebiet bereits gut unterwegs, indem es die Bevölkerung regelmäßig befragt. NRW will es nun noch genauer wissen und führt die erste sogenannte Dunkelfeld-Studie zu Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer durch. Dunkelfeld deswegen, weil es um Straftaten geht, die der Polizei nicht bekannt sind, während sich die Kriminalität aus dem Hellfeld in der Statistik niederschlägt.

Die BKA-Befragungen zeigen, dass das Unsicherheitsgefühl in der Wohnumgebung sowohl bei Männern als auch bei Frauen erheblich gestiegen ist. Zugenommen hat auch die Angst vor konkreten Straftaten wie Raub oder Sexualdelikte. Inzwischen vermeiden 60 Prozent der Frauen bestimmte Plätze, Straßen oder Parks, um nicht Opfer einer Straftat zu werden. Gut möglich, dass solche Befunde durch die NRW-Studie bestätigt oder sogar übertroffen werden. Dennoch ist es richtig, dass die schwarz-gelbe Landesregierung diesen Weg geht. Auch auf die Gefahr hin, dass das Ausleuchten des kriminellen Dunkelfelds Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten leitet. Es geht darum, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen und ihnen mit Taten zu begegnen – auch wenn’s teuer wird.  

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