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Meinung: Die neue Schulministerin hat nicht allzu viel Zeit

Meinung : Die neue Schulministerin hat nicht allzu viel Zeit

Wer die Minister der seit wenigen Wochen in Düsseldorf regierenden schwarz-gelben Koalition über ihre neuen Aufgaben sprechen hört, stellt schnell ein Muster fest: Was sich leicht von den Oppositionsbänken des Landtags aus mit belehrendem Zeigefinger kritisieren ließ, erscheint aus der Perspektive des nun geforderten Machers gar nicht mehr so einfach.

Als jedenfalls nicht kurzfristig zu bewältigende Aufgabe. Da macht es sich argumentativ gut, noch mal auf der Vorgängerregierung herumzuhacken, die den Karren doch so in den Dreck gefahren habe.

Auch bei der ersten Pressekonferenz von Schulministerin Yvonne Gebauer ließ sich diese Rhetorik feststellen. Mit Blick auf die grüne Vorgängerin ätzte die Liberale, dass „die Zeit des Arbeitens auf weitgehend ungesicherter Datenbasis vorbei ist“. Und: „Die Vorgängerregierung hat uns große und völlig ungelöste Aufgaben hinterlassen.“

Gerade der Ministerin in dem gesellschaftlich so wichtigen Schulressort muss man konzedieren, dass da vor lauter Baustellen kaum die Straße zu sehen ist. Die gesellschaftlich mehrheitlich gewünschte Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren lässt sich nun mal nicht mit einem Blitzerlass aus dem Ministerium regeln. Da muss viel bedacht werden, um das Projekt nicht im Chaos enden zu lassen. Es braucht Schulräume, neue Lehrpläne und Entscheidungen vor Ort, die schließlich auch künftige Schülergenerationen betreffen. Und vor allem braucht es mehr Personal.

Davon gibt es schon jetzt an den Schulen zu wenig. Wenn von 5400 geplanten neuen Stellen noch 2139 unbesetzt sind, zeigt das, wie der Lehrerberuf angesehen ist. Seine Attraktivität muss gesteigert werden.

Mit dem Lehrermangel hängt der Unterrichtsausfall zusammen, den Gebauers Vorgängerin immer wieder herunterspielte und damit Eltern schulpflichtiger Kinder gegen sich aufbrachte. Diese nehmen tagtäglich eine ganz andere Realität wahr. Die mit der Inklusion durch zu wenig Fachpersonal aufgeworfenen Probleme müssen an den Schulen ausgebadet werden. Was vorher Profis an Förderschulen machten, wird oft auf den Lehrer allein abgeladen, ohne dass ihm ein qualifizierter Sonderpädagoge zur Seite steht. Die von den Schulen einzugliedernden Zuwandererkinder bedeuten zusätzliche Aufgaben.

Baustellen, wohin man blickt. Doch das Schulministerium und das, was hier geleistet wird und was nicht, steht unter sehr genauer Beobachtung — der Lehrer, der Schüler und ihrer Eltern. Was in diesem Bereich passiert, so hat es auch die zurückliegende Landtagswahl gezeigt, ist mit wahlentscheidend. Die Neue im Amt wird nicht viel Zeit haben, die Weichen zu stellen. Schnell wird sich sonst der Zorn, der durch Missstände an den Schulen unmittelbar spürbar ist, auch gegen sie wenden.