Die Kanzlerin räumt das Feld

Meinung : Die Kanzlerin räumt das Feld

So wenig Kanzler wie heut war noch nie, hat der Komiker Hape Kerkeling zuletzt formuliert. Ein wunderbarer und gleichzeitig alarmierender Satz, der die Lage derzeit leider auf den Punkt bringt.

In einer Zeit, in der Deutschland der Wind wirtschaftlich ins Gesicht bläst, in der die Bundeskanzlerin Flagge zeigen müsste, sagt sie beim Arbeitgebertag vor einem durchaus CDU-tauglichen Publikum diesen bemerkenswerten Satz: „Da könnten Sie vielleicht heute mit dem Finanzminister noch mal darüber sprechen.“

Konkret ging es um Forderungen aus der Wirtschaft nach Steuersenkungen. Es handelt sich dabei um eine Kernkompetenz der Union, um ihre Wählerschaft, um ihr Thema. Und das überlässt die Kanzlerin einfach so ihrem SPD-Finanzminister? Man darf sich schon fragen, wer diese Koalition eigentlich führt. Offenbar nicht die Partei, die dafür gewählt worden ist. Sondern die Partei, die zuletzt in Wahlen unter „ferner liefen“ gelandet ist. Weil es ihr nicht gelingt, die Themen zu besetzen, die den Wählern wichtig sind. Ein Berliner Trauerspiel.

Ein Kommentar von Annette Ludwig. Foto: Sergej Lepke
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