Die Gurke und das Plastik

Meinung : Die Gurke und das Plastik

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat am Montag in Berlin einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, um das Aufkommen deutlich zu reduzieren. Radikal ist ihr Vorgehen allerdings nicht.

Dass die Vermeidung und die Entsorgung von Plastikmüll mittlerweile zu den größten umweltpolitischen Herausforderungen gehört und zwar global, steht außer Frage: Es gibt in den Ozeanen schon gigantische Inseln aus Kunststoffabfällen, Reste finden sich in Fischen und Vögeln, Spuren von Mikroplastik in Lebensmitteln und inzwischen sogar beim Menschen. Kurzum: Die Welt erstickt im Plastikmüll – und zum Glück ist das globale Bewusstsein für das Problem inzwischen extrem groß.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat am Montag in Berlin einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, um das Aufkommen deutlich zu reduzieren. Radikal ist ihr Vorgehen allerdings nicht. Erstens, weil einiges davon schon längst beschlossen ist, wie etwa das Verpackungsgesetz mit höheren Recyclingquoten oder die EU-Plastikstrategie.

Und zweitens, weil die sozialdemokratische Ressortchefin vor allem auf das Prinzip Freiwilligkeit setzt. Das ist bekanntlich immer heikel, da die Wirtschaft stets nach Schlupflöchern sucht und es oft an Konsequenz missen lässt. Der Kunde freilich auch. Ein Blick ins Supermarktregal belegt das jeden Tag ganz praktisch: Warum es zum Beispiel immer noch mit Plastik umhüllte Gurken gibt, ist ein Rätsel. Ebenso, warum sie noch gekauft werden.

Deutschland ist allerdings nicht das Problem. Auch wenn die Mehrwegquote sinkt, hierzulande gibt es funktionierende Recycling- und Pfandsysteme. Wer demgegenüber mal in Asien oder Afrika gewesen ist, der weiß: In den Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Katastrophe längst da, weil es in diesen Ländern keine geschlossenen Abfallverwertungssysteme gibt.

Oder sie sind noch im Aufbau begriffen. Vom kommenden Jahr an stellt die Bundesregierung deshalb erstmals insgesamt 50 Millionen Euro für den Export von Technologien gegen die Vermüllung der Meere zur Verfügung. Das ist – gemessen an den Dimensionen des Problems – wenig mehr als nichts.

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