1. Meinung

Die EM steht in der Pandemie unter neuen Vorzeichen

Schwierige Aufgabe für den DFB : Begeisterung oder Flaute? EM unter neuen Vorzeichen

Kann die EM bei der coronamüden Bevölkerung in Deutschland Begeisterung auslösen? Der DFB steht vor einer schwierigen Aufgabe.

Vor Tagen ätzte der singende Komiker Olli Schulz darüber, dass sein lange geplantes Konzert in Trier vor 500 Zuschauern „auf einer Wiese“ wieder abgesagt worden sei, Deutschland bei der anstehenden Fußball-Europameisterschaft aber am kommenden Dienstag vor 14000 Zuschauern in München gegen Frankreich spielen dürfe. Das zeigt zweierlei: Erstens gibt es neben viel Freude auch viel Unverständnis darüber, dass die besten Kicker Europas wochenlang durch elf unterschiedliche Länder und Arenen touren dürfen und dabei Fans in Vielzahl zugelassen sind. Mal weniger (die 20 Prozent Erlaubten gemessen am Fassungsvermögen in München sind der EM-Tiefstwert), oft mehr – bishin zu ausverkauften Stadien: im ungarischen Budapest gibt es jetzt gar keine Beschränkung mehr.

Und zweitens zeigt es, dass Olli Schulz mit seiner Anklage an die Fußballfunktionäre, die das Leid von Abertausenden von Künstlern in der Corona-Pandemie völlig zurecht in den Fokus rücken soll, erwarten darf, ein zustimmendes Publikum zu finden. Es ist eben selbst für den Fußball nicht mehr so leicht, schon allein dadurch Akzeptanz, Begeisterung, und unkritische Euphorie zu finden, dass der Ball in der Mitte mit Pfiff des Schiedsrichters nur bewegt wird.

Tatsächlich sind die Zeiten lange vorbei – und das Interesse noch verhalten. Man blickt kritisch auf das Turnier, in Deutschland noch lauernder als anderswo, weil viele sich schon zuvor am oft ignoranten und betriebswirtschaftlich geprägten Höhenflug des deutschen Fußballs störten, der zu oft ein kaltes Produkt in eine eigentlich warme Umgebung gestellt hatte. Und all das rücksichtslos zu versammeln schien, was der Traditionalist ablehnt: gewaltige Abschirmdienste für junge Fußballer, Selbstbeweihräucherung in der Blase, entrückte Funktionäre ohne Bodenhaftung. Jetzt steht der DFB vor der Aufgabe, in schwieriger Lage das Gegenteil zu beweisen. Vor allem: Nahbarkeit in der Abgeschiedenheit einer Fast-Quarantäne-Situation. Mit der Chance, einer von Corona müden Bevölkerung Begeisterung zu geben, für ein neues Gemeinschaftsgefühl. Und zur Rettung seiner selbst.