Debatte ist aus der (Bus-)Spur geraten

Meinung : Debatte ist aus der (Bus-)Spur geraten

Die emotionale Debatte um eine profane Freigabe von Busspuren wirkt selbst doch sehr aus der Spur geraten.

Der NRW-Verkehrsminister Henrik Wüst (CDU) unterstützt, dass Fahrgemeinschaften und  E-Scooter diese nutzen sollen. Andere finden es brandgefährlich oder übergebührlich hindernd für den Nahverkehr. Und überhaupt sei die Drei-Mann-Besetzung pro Pkw doch gar nicht zu kontrollieren. Im Ernst?

Zur Gefahr: Radfahrer benutzen die Busspur ohnehin. Wo genau sollten denn E-Scooter sonst fahren? Eine Busspur befindet sich in der Regel auf dem rechten Fahrstreifen, weil der Bus nun einmal rechts hält. Ja, er muss in der Zukunft neben den Fahrrädern auch Roller überholen. Die Alternative, da diese auf der Straße fahren müssen, wäre allerdings, dass sie am rechten Rand der linken Spur zwischen Autos und Bussen eingekesselt wären. Besser? Wohl nicht.

Ein Kommentar von Juliane Kinast. Foto: Judith Michaelis

Zur Kontrollfrage: Wer morgens mal von Süden kommend in die Düsseldorfer City fährt und entlang der neuen Umweltspur, der kann besichtigen, dass sich die Autofahrer samt und sonders daran halten, die Spur freizulassen. Obwohl dort keine Reihe von Kameras steht.

Und zur Behinderung der Busse: Ist es fair, dass Mutter, Vater, Kind die Düsseldorfer Umweltspuren und bald auch Busspuren nutzen dürfen, weil sie drei Insassen sind, obwohl das Kind eindeutig nicht sein Auto für diese Fahrgemeinschaft hat stehen lassen? Natürlich nicht. Fair ist aber auch nicht, dass eine Spur frei bleibt für alle zehn bis 20 Minuten verkehrende Busse und noch viel seltenere Elektrofahrzeuge, während Menschen im Stau stehen, die nicht innerhalb von ein, zwei Jahre Klimadebatte ihr Leben umkrempeln, an einen S-Bahn-Haltepunkt ziehen oder ein teures E-Auto kaufen können. Eine perfekte Welt wächst langsam und mit Kompromissen. Das anzuerkennen, wäre auch nur fair.

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