Bre­xit-Deal - Merkel zeigt May die kalte Schulter

Meinung : Bre­xit-Deal - Merkel zeigt May die kalte Schulter

Es ist verständlich, dass die britische Premierministerin Theresa May auf Rückendeckung speziell aus Berlin hofft. Sollte May jedoch gehofft haben, Merkel werde als Spalterin fungieren, so wäre das reichlich naiv gewesen.

Es ist verständlich, dass die britische Premierministerin Theresa May auf Rückendeckung speziell aus Berlin hofft, um eine wie auch immer geartete Nachverhandlung des Bre­xit-Deals zu erreichen. Auch, wenn Angela Merkels Kanzlerschaft in absehbarer Zeit endet, ihr Wort hat in Europa nach wie vor erhebliches Gewicht.

Sollte May jedoch gehofft haben, Merkel werde als Spalterin fungieren, so wäre das reichlich naiv gewesen. Die Kanzlerin hat May die kalte Schulter gezeigt. Denn in der Brexit-Frage ist die Europäische Union so einig wie lange nicht mehr. Zwar will die EU den Austritt nicht, aber man muss nun in den sauren, britischen Apfel beißen. Daher der Deal, der mit May ausgehandelt wurde. Er macht die Umsetzung für die Bürger und die Wirtschaft einigermaßen erträglich. Nachverhandeln will Brüssel erklärtermaßen keinesfalls, wenn überhaupt können noch Nuancen besprochen werden.

Merkel war die erste, die in Europa verkündet hat, dass es kein Rosinenpicken beim Brexit geben werde. Sie ist in der Frage konsequent. Zumal die Kanzlerin ahnen dürfte, dass selbst ein Entgegenkommen der Europäischen Union May wohl nicht helfen wird. Wer die Debatte im britischen Unterhaus über das Abkommen verfolgt hat, hat erlebt, mit wie viel Schaum vor dem Mund die Hardliner sich positioniert haben. Die Häme, die über die Regierungschefin ausgegossen wurde, war extrem.

Fakt ist: Die Austrittsvereinbarung bietet die Chance auf einen geordneten Brexit. Selbstverständlich muss man mit der Regierung in London weiterhin im Gespräch bleiben. Gerade von deutscher Seite, denn Großbritannien gehört zu unseren wichtigsten Handelspartnern und ist ein enger Verbündeter. Wird der Austritt in gut drei Monaten ein harter werden, dann wird auch Deutschland erheblich unter den Folgen leiden. Und dennoch darf es keine Rabatte für selbstangerichtetes Chaos geben. Da verhält sich Merkel also völlig richtig.

Mehr von Westdeutsche Zeitung