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Boreyko unterschlägt Düsseldorf in seiner Biografie

Kommentar : Boreyko unterschlägt Düsseldorf in seiner Biografie

In seiner Biografie im Programmheft unterschlägt Andrey Boreyko seine fünf Jahre (2009-2014) in Düsseldorf. Für Boreyko war es keine einfache Zeit hier am Rhein. Doch ist das Grund genug diese Jahre aus seiner Biografie auszulöschen?

Der Besuch des Meisterkonzerts erwies sich für Klassikfreunde als ein Wiedersehen nicht nur mit dem Stargeiger Radulovic, sondern auch mit Andrey Boreyko. Der 1957 in St. Petersburg geborene Maestro wirkte immerhin fünf Jahre in der Tonhalle als Chefdirigent der Symphoniker und hat in jeder Saison mindestens sechs Konzerte dirigiert. Ein Gesicht, das man – nach knapp sechs Jahren – nicht vergessen kann. Doch in seiner Biografie im Programmheft unterschlägt Boreyko genau diese fünf Jahre (2009-2014). Während Stationen in Winnipeg, Bern, Warschau und Jena detailliert aufgeführt werden - wie auch seine Engagements beim Rheingau-Festival etc. Düsseldorf? Fehlanzeige.

Sicherlich: Es war für Boreyko keine einfache Zeit hier am Rhein, so richtig wohl fühlte er sich hier nie. Kam für eine Woche zu den Proben mit damals „seinem“ Orchester, absolvierte drei Abokonzerte und verschwand wieder, bis zum nächsten Mal. Warm wurde er weder mit Publikum noch mit der Presse, so dass er kurz vor seinem Abschied Interviews vermied. Musiker und Kritiker verstanden nicht, warum er im Mahler-Jahr 2011 (Mahlers 100. Geburtstag) die Symphoniker noch nicht für reif hielt, die großen Symphonien aufzuführen. Das Gegenteil bewies kurze Zeit nach ihm – und bis heute – der Principal Guest Conductor Adam Fischer. Mit Glanz und Gloria. Sein Düsseldorfer Mahler-Zyklus heimste namhafte Preise ein.

Mit seinem Programm und dem Klang der Symphoniker hinterließ Boreyko keine bleibenden Spuren. Vielleicht auch wegen des Nachfolgers, des brillanten „Orchestererziehers“ Fischer. Doch ist das Grund genug dafür, fünf Jahre aus seiner Biografie auszulöschen? Immerhin hat er jede Saison eine staatliche – vermutlich sechsstellige Summe – als Gage erhalten. Und zehn Buchstaben mehr hätten in die Aufzählung seiner Engagements hineingepasst. Pardon, Herr Boreyko, tut mir leid, dass Sie die fünf Jahre mit uns noch heute als Trauma mit sich herumtragen.