Bildung ist Standortpolitik

Meinung : Bildung ist Standortpolitik

Der Digitalpakt kann endlich starten. Doch mit einem Schlag wird sich die Situation in den Schulen nicht ändern.

Nach einem ebenso langen wie weithin unverständlichen politischen Tauziehen kann der Digitalpakt endlich starten. Das ist eine gute Nachricht für alle Lehrer, die ihre Schüler auf die digitale Höhe der Zeit bringen wollen. Und es ist auch eine gute Nachricht für alle Schüler, die es viel zu häufig noch mit museumsreifen Computern und trägen Netzverbindungen im Unterricht zu tun haben.

Fünf  Milliarden Euro will sich der Bund die digitale Offensive kosten lassen. Allerdings verteilt auf fünf Jahre. Schon dieser Umstand zeigt, dass sich die Lage nicht auf einen Schlag verbessern wird. Und es ist ja auch nicht so, dass die eigentlich für Bildung zuständigen Bundesländer hier kollektiv geschlafen hätten. Manche sind bereits gut vorangekommen, andere kaum. Mit fünf Milliarden Euro allein wäre eine flächendeckende Ausstattung der Klassenzimmer mit WLAN, interaktiven Tafeln und Tablets ohnehin nicht zu stemmen. Dass der Bund die Sache an sich gezogen hat, ist gleichwohl ein wichtiges Signal. Längst gibt es einen globalen Kampf um die klügsten Köpfe. Digitales Wissen ist unabdingbar, um im Wettbewerb des 21. Jahrhunderts mitzuhalten.  Kurzum, Bildungspolitik ist Standortpolitik. Schon deshalb darf sie nicht nur Länderpolitik sein. Dass dafür jetzt eigens das Grundgesetz geändert werden musste, zeigt, wie Deutschland  hier noch hinterher hinkt. Mit bloßer Kleinstaaterei ist jedenfalls kein digitaler Staat zu machen.

Ein Kommentar von Stefan Vetter. Foto: k r o h n f o t o . d e

Nun beginnen die Mühen der Ebene. Und die fangen auch bei den Lehrern selbst an. Um mehr digitale Kompetenzen zu vermitteln, müssen sie natürlich auch über solche verfügen. Hier liegt offenbar manches im Argen. Einer Untersuchung zufolge sind die staatlichen Ausgaben für Schulen langfristig deutlich gestiegen, die Mittel für die Fortbildung der Pädagogen jedoch gesunken. Dass muss sich schnell ändern, soll der Digitalpakt ein Erfolg werden. Das Geld dafür ist vorhanden.

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