Bewerbungen für den SPD-Vorsitz: Team ist Trumpf bei der SPD

Bewerbungen für den SPD-Vorsitz : Team ist Trumpf bei der SPD

Bislang war die Suche der SPD nach einer neuen Parteispitze vornehmlich durch klare   Absagen potenzieller Kandidaten gekennzeichnet. Einer altgedienten Sozialdemokratin wie Gesine Schwan mochte da schon angst und bange werden.

Jedenfalls  konnte man ihr zuletzt mehrfach geäußertes Bekenntnis, im Zweifel selber zu kandieren, auch als Aufforderung an andere deuten, endlich aus der Deckung zu kommen. Ihr mutmaßlicher Wunsch hat sich nun erfüllt. Mit dem Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, und der ehemaligen Familienministerin in Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann, haben erstmals zwei Bewerber ganz offiziell ihren Hut in den Ring geworfen.  Da tut es einstweilen auch nichts zur Sache, dass sie die nötige Zahl der Unterstützer in ihrer Partei noch gar nicht zusammen haben.

Die beiden selbst müssen ohnehin nicht der personellen Weisheit letzter Schluss sein,  zumal es vor allem im linken Parteiflügel große Aversionen gegen Aspiranten gibt, die zu den Stützen der ungeliebten großen Koalition zählen. Und dazu gehört Roth kraft seines Amtes zweifellos. Dennoch haben Kampmann und er Maßstäbe für das nun sehr wahrscheinlich in Schwung kommende Kandidatenkarussell gesetzt: Obwohl nach den vereinbarten Regularien ausdrücklich auch Einzelpersonen dafür zugelassen sind, kommt die Partei praktisch nicht mehr an einer Doppelspitze vorbei.

Wer immer sich jetzt ebenfalls bewirbt – sie oder er ist gut beraten, gleich mit einem Partner oder einer Partnerin anzutreten. Team ist Trumpf. Das entspricht auch dem Willen großer Teile der Basis. Und daran werden die Sozialdemokraten auch in der Öffentlichkeit gemessen werden. Im Guten wie im Schlechten. Ob ein Team die SPD besser aus dem Jammertal führen kann als eine Frau oder ein Mann, steht freilich auf  einem anderen Blatt.

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