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Meinung: Arbeit für „Jamaika“

Meinung : Arbeit für „Jamaika“

Auch wenn es bei den Unterhändlern einer künftigen Jamaika-Koalition immer wieder Dissonanzen in Berlin gibt, so ist doch zumindest die „Begleitmusik“ vom Arbeitsmarkt voller Harmonie, das zeigen wieder einmal die neuesten Zahlen: Noch nie seit der Wiedervereinigung waren so wenige Menschen in Deutschland ohne Job wie jetzt.

Und noch nie gab es so viele Beschäftigte. Außer in Tschechien ist die Arbeitslosenrate nirgends in Europa so gering wie hier. Ein Grund, dieses Thema politisch zu den Akten zu legen, ist das aber noch längst nicht. Denn auch der größte Beschäftigungsboom kann nicht über den eher stagnierenden Anteil der Langzeitarbeitslosen hinwegtäuschen. Zumeist handelt es sich um ältere und wenig qualifizierte Personen.

Um auch sie wieder in Lohn und Brot zu bringen, sind nicht nur die Jobcenter in der Verantwortung und stärker gefordert. Viele Arbeitsmarktforscher halten hier schon länger die Schaffung eines „zweiten Arbeitsmarktes“ für erforderlich. In der Vergangenheit mangelte es dafür am notwendigen Geld, aber vor allem auch am politischen Willen.

Vor diesem Hintergrund könnte eine mögliche Jamaika-Regierung tatsächlich neue Wege gehen. Wenn die Union ihr erklärtes Ziel einhalten will, die Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2025 zu halbieren, wird sie an einer Beschäftigungsoffensive für Langzeitarbeitslose kaum vorbeikommen. Immerhin ist jeder dritte Erwerbslose in Deutschland bereits länger als ein Jahr ohne Job.

Und noch etwas droht die gute Arbeitsmarktbilanz längerfristig zu verdüstern: Mit der wachsenden Anzahl bearbeiteter Asylanträge kommen auch immer mehr Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt. Dass auch diese Menschen wegen ihrer zumeist geringen Qualifikation nicht den roten Teppich in den Unternehmen und Betrieben ausgerollt bekommen, liegt auf der Hand. Auch darum muss sich eine künftige Regierung also verstärkt kümmern. Alles andere wäre verschenktes Potenzial.