Putins Angebot an Griechenland Alexis Tsipras, der Zocker

Griechenland sucht die Nähe zu Russland

Dass Alexis Tsipras nach neuen Verbündeten sucht, ist naheliegend. Denn in der Europäischen Union ist der griechische Premier ziemlich allein. Als Regierungschef eines souveränen Staates hat er selbstverständlich das Recht, auch außerhalb der EU um Unterstützung zu werben.

Kremlchef Wladimir Putin erscheint derzeit als idealer Partner. Schließlich hat der Mann in Moskau etwas zu bieten. Das krisengeschüttelte Griechenland könnte zum wichtigsten Gas-Transitland in der EU werden und sich damit eine neue Einnahmequelle erschließen. Putin scheint bereit zu sein, die notwendigen Kredite für eine Beteiligung Athens an der russischen Gasleitung Turkish Stream zu gewähren. Moskau kündigt zudem an, seinen Lebensmittelboykott gegen Athen zu beenden. Die griechischen Bauern können ihre Waren also wieder verkaufen. Verlockende Aussichten.

Was kann Tsipras als Gegenleistung bieten? Im Grunde nichts. Der griechische Premier zockt. Er inszeniert den Besuch bei Putin als Drohkulisse gegenüber den EU-Partnern. Tsipras erinnert an den gemeinsamen Widerstand der Russen und Griechen gegen Hitlerdeutschland. Die wegen der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen der EU bezeichnet er als sinnlos. Der Regierungschef aus Athen stellt damit politische Entscheidungen infrage, denen er selbst zugestimmt hat — ein gefährliches Spiel.

Moskau und Athen eint die Hoffnung, die feste Front der Europäer gegen Russland aufbrechen zu können. Dass dies gelingt, ist aber so gut wie ausgeschlossen. Sowohl in Brüssel als auch in Berlin sind die Unterhändler genervt, weil Athen mit seinen Reformankündigungen nicht zu überzeugen vermag. Auf dieser Basis wird es keine weiteren Milliarden geben. Wenn Tsipras tatsächlich glaubt, sich das Geld stattdessen in Moskau holen zu können, liegt er falsch. Putin weiß, dass Athens Einfluss in der EU viel zu gering ist, um eine solche Kraftanstrengung zu rechtfertigen. Letztlich muss der griechische Regierungschef die Bedingungen der EU akzeptieren. Will er nicht, gibt es den Euro in Athen bald nicht mehr. Für Brüssel und Berlin wäre der Schaden überschaubar, für die Griechen nicht.

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