1. Meinung

Aktion Spaltung: Warum die Kritik nur egoman ist

Zur Aktion #allesdichtmachen : Aktion Spaltung: Warum die Kritik nur egoman ist

Am Ende bewirkt die Aktion nur eine gespaltene Gesellschaft.

Der ehemalige NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat gestern gefordert, Schauspielern wie Ulrich Tukur oder Jan-Josef Liefers, die bei der Künstler-Aktion #allesdichtmachen über kurze Redebeiträge in Videos die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Coronapoandemie kritisiert haben, ihr Engagement im ARD-Tatort zu entziehen. Sie könnten, so Duin, keine öffentlich-rechtlichen Repräsentanten mehr sein. Was ein guter Beweis dafür ist, wie in dieser Republik kritische Debatten verlaufen. Schwarz oder Weiß. Dazwischen geht nichts mehr. Über kurz oder lang droht die Gesellschaft an dieser schaumstofflosen Konfrontation im virtuellen Raum bei fehlender Kompromissbereitschaft zu ersticken.

Eine Bereitschaft freilich, die auch den Schauspielern fern ist. Ihre Ironie, ihr Sarkasmus sind in einer dramatischen Pandemie die schlechtesten Ratgeber, weil es am Ende nur egomaner Zynismus ist. Allein, weil das Handeln Regierender zum Schutz geschieht und nicht aus unlauteren Motiven. Kritik daran ist erlaubt, notwendig und auch Bestandteil dieser täglichen Kommentare. Zynismus aber bedeutet: Abwendung. Zum Abschuss freigegeben. Kein Wunder, dass die Schwurbler dieser Tage darauf angesprungen sind. Am Ende ist der einseitige – wenn für sich genommen auch berechtigte – Hinweis auf die darbende Kulturszene nur eine überraschend eingeschränkte Sicht von Künstlern, denen man mehr Reflexion zugetraut hätte. Und so ist es auch eine Verhöhnung der Opfer der Pandemie, die sicher niemand hat auslösen wollen. Aber hat.

Am Ende bewirkt die Aktion nichts als eine gespaltene Gesellschaft, die das Ziel aus den Augen verliert, weil sie auf beiden Seiten der Spaltung nur um sich selbst kreist und damit gar keinen Blick auf das große Ganze haben kann. Das gilt grundsätzlich immer öfter und ist das große Drama unserer Tage. Vielleicht sollten sich die Tatort-Kommissare dieses Landes dazu mal künstlerisch aufstellen. Und ehemalige Minister aus NRW dann versöhnlich dazustoßen.

 Olaf Kupfer, WZ-Chefreporter
Olaf Kupfer, WZ-Chefreporter Foto: ANNA SCHWARTZ