Langenfeld In der Corona-Krise werden Pfarrer zu Bloggern

Langenfeld Kirche und Corona : Pfarrer werden in der Krise zu Bloggern

Messen finden zurzeit auf Facebook statt. Und die Pfarrer werden dabei zu Medienstars.

Gottesdienste im Live-Stream oder als Youtube-Video, elektronische Newsletter aus der Gemeinde, Auftritte der Pfarrer bei Instagram und Facebook – so sieht das Leben der evangelischen und katholischen Geistlichen derzeit aus. Das hätten sie sich nicht träumen lassen, dass sie einst vor leeren Bänken aber vor einem Filmteam predigen, real begleitet lediglich von der Kantorin. „Die Gemeinde fehlt mir“, gesteht Pfarrvikar Gerhard Trimborn von St. Josef und Martin in Langenfeld. „Wenn ich direkt sehe, wie die Menschen reagieren, ist es doch schöner.“ Stattdessen müssen sich die Seelsorger jetzt mit Klickzahlen und Kommentaren zu ihren Auftritten begnügen.

Ein ungewöhnliches Terrain, das sie aber alle offensichtlich mit großem Engagement und der Hilfe jüngerer Gemeindemitglieder erobern. Immerhin: Knapp 7000 Aufrufe hatte Gerhard Trimborn mit einem ersten Facebook-Auftritt am Montag erreicht und 20 sehr dankbare Kommentare erhalten. Sicher kein schlechter Start. Und übrigens: Wer live streamt, braucht auch direkt eine Kontrolle über die eingehenden Kommentare, die gepostet werden. Auch das übernehmen die jungen Helfer. Maximal 20 Minuten dauern die Sonntags-Gottesdienste, die aus der Erlöserkirche übertragen werden. „Alles andere wäre zu lang“, sagt Pasquay.

Wie Blogger drehen die Pfarrer jetzt kleine Filme mit Tagesandachten, in denen sie das Wort an die Gemeinde richten. Sie wollen in diesen Tagen Mut machen. Oder sie verschicken Newsletter, die aber auch händisch an Menschen ohne Internet verteilt werden. ­„Vitamin G(ottesdienst)“ nennt die evangelische Kirchengemeinde ihre Aktion in Zeiten geschlossener Kirchtüren. „Einen Tagesimpuls, einen Text plus Bild, ein kurzer Gedanke zur Inspiration, ein Gebet und ein Segen“, so beschreibt Andreas Pasquay den Inhalt. Schließlich will die Kirche den Kontakt zur Gemeinde halten. Denn in der realen Welt wird sie ihre Mitglieder auf unbestimmte Zeit nicht sehen.

Pfarrer Michael Hoßdorf von der Katholischen Gemeinde St. Gereon und Dionysius hat seine ersten beiden Messen als Livestream hinter sich. Jeden Sonntag kann man sich auf der Facebook-Seite der Gemeinde um 10.30 Uhr zuschalten und mit der ganzen Familie am Gottesdienst teilnehmen. Mehrere Hundert hätten am Sonntag am heimischen PC oder Tablet gesessen, sagt Hoßdorf stolz. „Wir zeigen dabei auch unsere Kirche von innen. Damit die Menschen einen vertrauten Raum sehen und nicht vergessen, wie es bei uns ist.“

Seine Auftritte scheinen ihm Spaß zu machen. Gerne richtet er auch außerhalb der Gottesdienste das Wort an seine Schäfchen und lässt den Vikar das kurz mit Handy aufzeichnen, um es später zu posten. „Wir sind froh, dass unsere Pfarrer so aufgeschlossen sind“, sagt Bernd-M. Wehner, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands der Gemeinde St. Gereon und Dionysius.

Während kein Gläubiger auf die sonntäglichen Gottesdienste und Messen verzichten muss, sieht es beim Heiraten, Sterben und Beichten anders aus. Hochzeiten müssen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Und das höchst wahrscheinlich auch im Mai. „Die Brautleute leiden“, sagt Trimborn. Pasquay wurde gar zu einer Hochzeit nach Hause gebeten. „Das geht natürlich auch nicht“, sagt er bedauernd.

An Beerdigungen dürfen nur zehn Menschen in sicherer Entfernung von einander teilnehmen, und das auch nur draußen. „Wenn es regnet, wird das eine sehr kurze Geschichte.“ Trauergespräche finden per Telefon statt. Und Beichten geht momentan gar nicht. Zumindest nicht auf engem Raum im Beichtstuhl, sagt Hoßdorf. „Man könnte sich vielleicht in den Altarraum zurückziehen und dort in sicherer Entfernung von einander sitzen.“ Ob Impulse in der Fastenzeit, kleine musikalische Anregungen, neben all diesen Angeboten auf den Internetseiten der Gemeinden oder auf Facebook gibt es auch immer noch für alle, die Fragen haben, die telefonische Seelsorge.