Langenfeld Hauptsache weg: Fernwandern statt Fernreise

Urlaub in Deutschland : Wanderurlaub fast vor der Haustür

In diesen Ferien müssen die meisten Familien neu planen. Doch zu Hause bleibt keiner. Radeln und Wandern sind beliebt.

Gäbe es Corona nicht, wären sie jetzt alle wo anders. Viel weiter weg in exotischen Gegenden nach Tausenden Kilometern Flugweg. Die Innenarchitektin Conny Forst-Reichel würde mit ihrer Tochter in Kalifornien herumreisen. Die Shiatsu-Lehrerin und Floristin Uta Hoemann-Dewenter würde ihren 60. Geburtstag in Südafrika feiern. Die Webdesignerin Nora Mieke wäre mit Mann, Schwester und Tochter in Stockholm, ein Geschenk zum Abi. Und Sabin Faccini, Künstlerin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Langenfelder Stadtmuseum, wäre als Reiseleiterin von Mai bis September fast jedes Wochenende mit Busreisen-Havermann unterwegs.

Allerdings wissen alle Langenfelderinnen, was sie in diesen Sommerferien, nachdem die strengen Corona-Regeln endlich gelockert wurden, nicht wollen: zu Hause bleiben.

Einladungen in die USA und
nach Japan wurden ignoriert

„Wir haben noch Einladungen in die USA und nach Japan“, sagt Nora Mieke. „Das geht natürlich derzeit nicht.“ Die Alternative liegt viel viel näher und heißt Bodensee. Traurig ist sie darüber offensichtlich nicht. „Ja, es war tatsächlich noch möglich, kurzfristig eine Wohnung zu bekommen und gar nicht überteuert“, erzählt sie mit einem Aufatmen. „Es wird auch diesmal nur eine Woche werden“, so Nora Mieke. „Aber die wird toll.“

Bei der 19-jährigen Tochter musste ein bisschen Überzeugungsarbeit geleistet werden, weil Kopenhagen in diesem Jahr nicht klappt. „Aber in einen Flieger mit Klima-Anlage setzte ich mich in diesen Zeiten auf keinen Fall“, sagt die Mutter bestimmt. Zum Urlaubsort in Deutschland geht es per Zug. „Wir sitzen im Abteil weit genug auseinander. Und ich schone gerne die Umwelt.“ Schon lange bevorzugt die Familie bei Reisen innerhalb Deutschlands an die Nord- oder Ostsee den Zug.

Am Bodensee steht vor allem Wandern auf dem Programm. Wandern oder Radfahren scheint denn auch die beliebte Alternative für die meisten Inlandsreisenden zu Schnorcheln im Meer oder Relaxen unter Palmen zu sein.

Sabin Faccini ist in diesen Tagen auf dem Erftradweg von Nettersheim bis Neuss unterwegs. Mit einer Übernachtung im Hotel. „Nein, Angst habe ich nicht, obwohl ich altersmäßig zur Risikogruppe zähle. Im Juli mache ich auch Urlaub mit meinem Mann in Friedrichshafen am Bodensee. Allerdings in einer Ferienwohnung. Da ist alles sehr sauber. Wir fahren mit dem eigenen Auto hin. Da habe ich gar keine Bedenken. Und meistens sind wir draußen in der Natur.“ Ursprünglich waren eigentlich die Bregenzer Festspiele fest eingeplant.

Der atemberaubende Blick vom Rheinsteig nach 26 Kilometern! Tages-Etappe zu Fuß ersetzt Conny Forst-Reichel jeden Fernurlaub, sagt sie. Ein Abenteuer mit Burgen und Schluchten, mit Wiesen und Wäldern, mit Kletterpartien und vielen netten Menschen auf dem Weg und in der Unterkunft – die Langenfelderin gerät ins Schwärmen. Der Rheinsteig bietet Rundwege und natürlich auch kürzere Strecken zwischen Bonn und Koblenz.

Die Wanderfreundin plant schon eine neue Tour durchs Hohe Venn. Mit Tochter und/oder Freundin und immer dabei auch Hund Ambra. Kleine Ferienhäuser und Hütten sind die Unterkunft auf dem Abenteuerweg durch die Natur.

Auch Uta Hoemann-Dewenter vermisst nichts, wenn sie in diesen Wochen in Deutschland bleibt, Tagesausflüge mit dem Zug macht, ihren Sohn in Hamburg besucht. „Ich habe keine Ahnung wie man in Südafrika mit der Pandemie umgeht“, sagt sie. „Da bleibe ich lieber hier. Eine Radreise an der Mecklenburger Seenplatten könnte ich mir vorstellen. Aber erst einmal fahre ich eine Woche in die Schweiz nach Basel zu meiner Tante. Sie muss ich beim Umzug ins Altenheim unterstützen.“ Auch Uta Hoemann-Dewenter nutzt den Zug. Selbst Detlev Garn, Monheimer Umweltschützer mit 10 000 Quadratmetern Bienen- und Schmetterlingswiese am Rhein, mag in den Ferien nicht jeden Tag auf den Heimatfluss schauen, auch wenn es auf seinem Gelände noch so idyllisch ist. „Ein bisschen Urlaub muss sein“, sagt er und geht mit der Familie im Schwarzwald ­wandern.