Wuppertal erhält Bauschs Archiv

Wuppertal erhält Bauschs Archiv

Sohn Salomon äußert sich erstmals zum Nachlass.

Wuppertal. Die Pläne für ein Pina Bausch Archiv werden endlich konkret: „Die Basis soll in Wuppertal sein“, sagt Salomon Bausch, der sich erstmals seit dem Tod seiner Mutter Pina vor zwei Jahren äußert. Der Sohn der weltberühmten Choreografin möchte ihr Werk und ihren künstlerischen Nachlass lebendig halten. Dazu gehören Materialien zu mehr als 46 Stücken: Regiebücher, Produktionsunterlagen, technische Pläne, Zeitungsartikel, Programmhefte, Plakate, Fotos, Skizzen und 7500 Videobänder.

Die Pina Bausch Stiftung ist bereits dabei, die Materialien zu sichten und auszuwerten. Die Videobänder und alle wichtigen Unterlagen sollen digitalisiert werden — finanziell unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes, das Land Nordrhein-Westfalen und die Wuppertaler Dr. Werner Jackstädt-Stiftung. Ein Kölner Spezialunternehmen hat einige der ältesten Videobänder bereits wieder abspielbar gemacht. Inzwischen wurde auch ein Studio in den Räumen des Tanztheaters eingerichtet, in dem das Team digitalisieren möchte.

Salomon Bausch (Jahrgang 1981) hat große Pläne: Während junge Tänzer im Namen seiner Mutter mit Stipendien und Preisen gefördert werden sollen, können sich Wissenschaftler im (digitalen) Archiv auf Spurensuche begeben — neben der Wuppertaler Basis soll es weltweit Dependancen geben. Wann das konkret wird? „Wir nehmen uns Zeit“, sagt Bausch. „Wir denken eher in Jahrzehnten als in Monaten.“

Da ein Archiv das Live-Erlebnis jedoch niemals ersetzen könne, so Bausch, arbeite man mit dem Tanztheater Hand in Hand — zumal die Nachfrage nach Gastspielen rund um den Globus ungebrochen sei. Auch Workshops, die die Tänzer weltweit anbieten wollen, sollen die Erinnerung an den unverwechselbaren Tanz- und Inszenierungsstil der gebürtigen Solingerin wach halten. „Das Wissen der Tänzer ist ein großer Schatz“, betont Bausch.

Nach dem überraschenden Tod der Tanz-Legende im Juni 2009 hatte die Standort-Frage für Wirbel gesorgt. Neben Wuppertal warf auch die Museumsinsel Hombroich den Hut in den Ring. Pina Bausch, so hieß es damals von Seiten der Museumsinsel, habe bei einem Besuch vor ihrem Tod diesen Standort favorisiert.

Für Salomon Bausch ist das konsequent, dass die von ihm 2009 gegründete Stiftung den Nachlass nach Wuppertal gibt. „Die Stadt hat eine bedeutende Rolle für die Arbeit meiner Mutter gespielt“, sagt er. 36 Jahre hat sie dort mit ihren Tänzern gearbeitet. Bislang hat die Stiftung 120 historische Videobänder aus den 1970er Jahren konservieren und digitalisieren lassen, (Foto-)Dokumentation zu 650 Kostümen von Marion Cito und mehreren Bühnenbildern von Peter Pabst erstellt und eine Ausstellung über „Rolf Borzik und das Tanztheater Pina Bausch“ erarbeitet. Jüngst wurden die Wiederaufnahme-Proben zu „Two Cigarettes in the Dark“ filmisch festgehalten.

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