Düsseldorf: Willkommen zur Nacht der vielen Künste

Düsseldorf : Willkommen zur Nacht der vielen Künste

Am 14. April von 19 bis 2 Uhr morgens können Besucher einen Mix aus Malerei, Fotografie, Livemusik, Film und Kabarett erleben.

Düsseldorf. Die Nacht der Museen ist längst den Kinderschuhen entwachsen. Waren es anfangs lediglich Bilder, die die Museen bereithielten, so erfasst das Angebot derzeit alle Trends. Mit der Erweiterung des Kulturbegriffs und der Erfindung neuer Techniken haben die Besucher die Chance, Avantgarde und Klassik in den verschiedensten Sparten in einem fünfstündigen Parcours zu erleben, vorbei an über 40 Stationen. Bis zu 25 000 Besucher werden erwartet. Wir bringen einen Überblick:

Das Goethe-Museum (Jacobistraße) ist besonders zu empfehlen. Es zeigt eine Schau zweier großer Klassiker. Der Zero-Künstler Heinz Mack führt einen fiktiven Dialog mit dem Dichterfürsten aus Weimar, der ihn so oft angeregt hat. Dabei gießt der bildende Künstler sein Füllhorn an Regenbogenfarben aus. Kaum zu glauben, dass der Maler schon 87 Jahre alt ist, so jung und frisch ist seine Kunst (Nr. 11).

Durch den Hofgarten geht es zum zweiten klassischen Höhepunkt in den Kunstpalast am Ehrenhof. Renommierte Künstler wie Rembrandt, Rubens, Picasso und Richter haben sich mit „Unfarben“ beschäftigt, wie die Schau „Black & White“ belegt. Der Belgier Hans Op den Beeck baut einen riesigen Salon mit Möbeln und Skulpturen, der in Betongrau gestaltet ist und als besondere Attraktion gilt (Nr. 27).

Sie sind hoch im Kurs, vor allem rund um den Grabbeplatz. Die Kunstsammlung K 20 präsentiert den Schotten Douglas Gordon, der auf zwei Projektionsflächen die Reise israelischer Musiker von Berlin nach Warschau begleitet. Ein Memorial über den Holocaust, wobei Klänge von Mozart die dunkle Geschichte aufzulösen scheinen (Nr. 23).

In der Kunsthalle gegenüber galoppieren im Video von Jonathas de Andrade Pferde mit Tempo durch die brasilianische Millionenstadt Recife, angetrieben von johlenden Reitern. Der Kontrast zwischen Hochhäusern und tierischen Urlauten könnte kaum größer sein (Nr. 20). Zu Mozart-Klängen präsentiert der deutsch-japanische Medienkünstler Kanjo Také eine raffinierte Video-Projektion auf die Fassade der Lambertuskirche, in der Mozart als Komponist und Freund der Maskerade im Vordergrund steht (Nr. 3).

Ein Muss ist der Besuch des Filmmuseums, ein paar Schritte vom Grabbeplatz entfernt. Außenprojektionen des Wiener Avantgarde-Filmregisseurs Peter Tscherkassy locken von weitem. An der Fassade zeigt er raffiniert zusammengeschnittene Szenen aus Spielfilmen. Im Haus selbst gibt es die allerneuesten Kreationen aus internationalen Kurzfilmfestivals unter dem Motto „Familienkoller“ und „Nachbarschaftswahnsinn“. Das ist Kintopp pur, denn die liebe Familie wird zum Erlebnispark. Im Wanderkino warten Stummfilme, 30er-Jahre-Vorfilme und japanische Manga-Filme der 1960er Jahre auf die Fans (10).

Im UCI-Kino im Hafen läuft jeweils für 80 Minuten eine Kurzfilmrolle in Dauerschleife mit amerikanischen Horrorfilmen (Nr. 39).

Selten stand die Performance so hoch im Kurs wie heute. Das beste Beispiel ist Anne Weyler in Kai 10 im Hafen, unweit vom UCI-Kino entfernt. Weyler ist als Tänzerin, Performerin, bildende Künstlerin und Medienkünstlerin ausgebildet. Sie hat in Köln an der Medienhochschule und an der Sporthochschule studiert. Sie weiß gezielt, ihren Körper in dreidimensionale Bilder umzusetzen. In der alten Kämmerei am Marktplatz gibt es außer Pop-Musik aus den Balkanstaaten, auch Live-Performances, passend zu minimalistischer, elektronischer Musik.

Im Haus der Universität am Schadowplatz trainiert der Diplom-Mathematiker und Tango-Spezialist Nezih Bourokba jedermann, während er normalerweise nur für Studenten zuständig ist.

Im FFT betreibt das Performance-Duo Veronika Heisig und Manuel Lindner, Absolventen der Folkwang-Universität der Künste, ein listiges Spiel mit Alltagsgegenständen (Nr. 18, 1, 14, 9).

Im Aquazoo präsentiert die beliebte Düsseldorfer Band PowerKraut fröhlichen Dixieland. Sie ist mit Posaune, Trompete, Tuba und Banjo mobil zwischen Tropenhalle, Vogelspinnen und Loebbecke-Museum unterwegs (Nr. 2).

Im Haus des Karnevals taucht Heinz Hülshoff auf, der „singende Wirt aus Ratingen“. Nicht zu überhören sind die Swinging Funfares, die in diesem Jahr den „Närrischen Oskar“ gewonnen haben (13).

In der Mahn- und Gedenkstätte treten mit „Wilder Weizen“ alte Hasen der Düsseldorfer Musikszene auf. Mit ihrem Mix aus Blues, Soul, Pop und der Kölner Sängerin Miriam Betz sorgen sie für gute Stimmung zum Ausklang der langen Nacht (Nr. 25).

Vom Grabbeplatz aus geht es in die Carlstadt, ins Heinrich-Heine-Institut. „Mit Volldampf“ nennt Jens Neutag seinen messerscharfen Beitrag zur Realsatire unzähliger Rechtspopulisten in Europa.

In der Mahn- und Gedenkstätte wird nicht nur an Menschen in Auschwitz erinnert, sondern es darf auch gelacht werden, wenn Martin Maier-Bode, Mitglied des Kom(m)ödchen, sein Soloprogramm „Der Warmduscher-Report“ zum Besten gibt (Nr. 15, 25).

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