„Star Dust – from Bach to Bowie“ Gastspiel „Complexions Contemporary Ballet“– vom Klassikvirtuosen bis zur Popikone

Köln · Das US-Tanzensemble „Complexions Contemporary Ballet“ kommt mit „Star Dust – from Bach to Bowie“ erstmals nach Deutschland.

 Die Tanzcompagnie Complexions Contemporary Ballet ist beim Kölner Sommerfestival zu sehen.

Die Tanzcompagnie Complexions Contemporary Ballet ist beim Kölner Sommerfestival zu sehen.

Foto: BB/Sharen Bradford

Die Karriere von Desmond Richardson ist so ungewöhnlich wie erfolgreich. Mit zwölf Jahren wird der New Yorker an der Highschool als Tänzer wegen seines besonderen Bewegungstalents für das Schulballett entdeckt. Mit 15 kommt der US-Amerikaner zum Stipendium an das damals international renommierte Kölner Tanzhaus. Mit 17 entdeckt ihn der King of Pop, Michael Jackson, und engagiert Richardson regelmäßig als Tänzer. Auch mit anderen Stars wie Madonna, Aretha Franklin und Prince steht er als Tänzer auf der Bühne.

Er war der erste afroamerikanische Tänzer, der beim American Ballet Theatre als Erster Solist verpflichtet wurde. Sein Weg führt ihn zum Ballett Frankfurt unter William Forsythe. Als Solist tanzt er beim renommierten Alvin Ailey Dance Theatre, wo er Dwight Rhoden kennenlernt, mit dem er vor 25 Jahren seine eigene Tanzkompanie Complexions Contemporary Ballet gründet. Mit der Produktion „Star Dust – from Bach to Bowie“ kommt dieses jetzt erstmals nach Deutschland und präsentiert sich beim Kölner Sommerfestival in der Philharmonie. „Wir haben uns bei Ailey als Tänzer getroffen. Daraus ist eine tolle Freundschaft entstanden. Wir haben als Tänzer ganz unterschiedliche Qualitäten gehabt, trotzdem haben wir oft zusammen getanzt“, sagt Richardson. „Von Desmond als jungen Tänzer war Ailey sofort begeistert. Er war mit 18 so jung und so gut“, erinnert sich Rhoden.

Die erste Produktion wird direkt ein Erfolg

Aus der Freundschaft entwickelt sich schließlich das gemeinsame Projekt, für das man Tänzer der großen US-Companys gewinnen kann. Die erste Produktion wird am Broadway dann auch direkt zum Erfolg. „Es war wie wenn die Vereinten Nationen auf der Bühne stehen. Wir hatten alle Hautfarben, alle Körpertypen und Genres vereint – vom Streetdancer bis zum klassischen Balletttänzer. Alle Mitglieder hatten noch Jobs bei anderen Companys, geprobt wurde oft in der Nacht. Irgendwann ist daraus dann Mitte der Neunziger unsere eigene freie Kompanie geworden“, sagt Rhoden.

Das Ziel der beiden Gründer war es, Kontraste zu schaffen und die Verschiedenheit zu feiern. „Wir schauen nicht nach bestimmten Typen, wenn wir für eine neue Produktion nach Tänzern suchen. Es muss einfach vom Gefühl und von der Qualität her passen. Viele haben über Multikulti nur gesprochen, bei uns gab es das einfach“, betont Richardson. Für New York sei so ein Mix bei einer Tanzkompanie etwas ganz Neues gewesen.

Bis zu 38 Wochen im Jahr sind die Tänzer zusammen. Aktuell kommen diese aus den USA, Kanada, Israel, Australien, Kolumbien sowie aus Japan und Korea. Musikalisch reicht das Spektrum der Company von Klassik über Pop und R’n’B bis zum Hardrock. „Diese Vielfalt ist es, die mich begeistert. Außerdem gibt es zwischen den Tänzern hier eine tolle Kameradschaft“, sagt Tänzerin Larissa Gerszke, eine Kanadierin mit deutschen Wurzeln.

Die Idee für das aktuelle Programm „Star Dust“ ist 2016 in Detroit entstanden. „Ich bin ein großer Fan von David Bowie, seine Musik hat mich sehr inspiriert. Diese Produktion mit seinen Songs wollte ich unbedingt machen. Mich hat seine sich stetig verändernde Persönlichkeit und seine Wandel durch die verschiedenen Genres total begeistert. Seine Musik ist so tanzbar und mit den außergewöhnlichen Kostümen, und den Make-up-Ideen ist sie wie für uns gemacht“, sagt Rhoden. Und weiter: „Dieser Mann hat Musik für vier Jahrzehnte geschaffen, jedes Albumcover war eine neue Welt, die wir jetzt mit unserem Tanz auf die Bühne bringen“, betont er mit Blick auf die Hommage an die Popikone.

Mit „Bach 25“ stellt er die musikalische Bandbreite des Barockmeisters Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel gegenüber. „Das ist eine Referenz an diese musikalische Ära, die so tanzbar ist. Sie ist optimal für Bewegung geeignet. Sie hat Power, ist sehr athletisch, aber auch technisch für Tänzer sehr anspruchsvoll“, sagt Rhoden. Das Stück „Bach 25“ ist während der Jubiläumstour der Company zum 25-jährigen Bestehen entstanden. „Bach gehört zu meinen Lieblingskomponisten. Der Rhythmus, die Vielfalt und die reichen Dynamiken des Meistermusikers verbinden sich organisch mit dem Stil von Complexions“, schwärmt Rhoden, der auch bereits für Topstars wie Prince, Lenny Kravitz der Marvin Gaye als Choreograph gearbeitet hat.

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