Tom Buhrow: Ein Karnevalsfan leitet den WDR
Der bisherige „Tagesthemen“-Moderator Tom Buhrow war erst Überraschungskandidat, nun wartet ein Berg schwieriger Aufgaben.
Köln. Umtriebige Kritiker haben Tom Buhrow im Vorfeld der Intendantenwahl beim WDR die Management-Kenntnisse eines Praktikanten und das Lächeln eines Liftboys vorgehalten. Den Rundfunkrat in Köln hat das wenig beeindruckt. Dessen Mitglieder wählten den „Tagesthemen“-Moderator am Mittwoch im ersten Wahlgang mit 41 von 47 Stimmen zum Intendanten.
Nach der ersten Überraschung über seine Bewerbung war der Journalist im Vorfeld der Wahl allmählich zum Favoriten aufgestiegen, auch weil er als überparteilicher Kandidat gilt. Für die nächsten sechs Jahre leitet der 54-Jährige nun die größte ARD-Anstalt, hat 4100 feste Mitarbeiter und verdient pro Jahr gut 300.000 Euro.
Buhrow hatte zwei Mitbewerber: Jan Metzger, der Intendant von Radio Bremen, bekam vier Stimmen; Stefan Kürten, Direktor bei der Europäischen Rundfunkunion in Genf, zwei. Die bisherige WDR-Intendantin Monika Piel war elf Monate nach ihrer Wiederwahl aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten.
Launig kündigte Buhrow am Mittwochabend an: „Ich werde mein Lächeln nicht ablegen.“ Doch Zeit, die Beförderung an die Spitze zu feiern, wird der bekennende Karnevalsfan und Familienvater (verheiratet, zwei Töchter) kaum haben, denn auf ihn wartet ein Berg an Aufgaben. Sein Sender braucht schon lange einen programmlichen und personellen Neuanfang sowie strategische Impulse — da hat seine Vorgängerin einige Felder unbestellt gelassen. Die Kommunikation nach innen und außen ist — gelinge gesagt — verbesserungswürdig. Und mit neuen Konkurrenten aus dem Internet ist auch der WDR konfrontiert.
Für Buhrows Posten bei den „Tagesthemen“ ist Thomas Roth (61), derzeit Korrespondent in New York, im Gespräch.