„The Counselor“: Von Pulitzer-Preis-Gewinner Cormac McCarthy

„The Counselor“: Von Pulitzer-Preis-Gewinner Cormac McCarthy

Ein erfahrener Regisseur, ein versierter Autor und viele Stars machen aus „The Counselor“ trotzdem keinen guten Film.

Hollywood. Ein Drehbuch von Pulitzer-Preis-Gewinner Cormac McCarthy, dessen Roman „No Country for Old Men“ in der Verfilmung der Gebrüder Coen vier Oscars gewann. Ein erfahrener Filmemacher wie Ridley Scott, der mit „Blade Runner“ Kinogeschichte geschrieben hat. Dazu ein All-Star-Ensemble, nach dem sich jeder Regisseur die Finger leckt, mit Michael Fassbender, Brad Pitt, Javier Bardem, Cameron Diaz und Penelope Cruz.

Was kann da noch eigentlich noch schief gehen? Eine ganze Menge, wie man in „The Counselor“ sehen kann. In seinem ersten Drehbuch entwirft Romanautor McCarthy eine Geschichte um einen geplatzten Drogendeal, der seinen Helden tief in den Abgrund zieht. Der Strafverteidiger, der von allen nur „Counselor“ (Michael Fassbender) genannt wird, will als Helfershelfer der kolumbianischen Kokainmafia den 3,8 Karat schweren Brillantring für seine bezaubernde Verlobte Laura (Penélope Cruz) rückfinanzieren.

In der ersten Filmhälfte wird er von kenntnisreichen Freunden davor gewarnt, sich auf das Geschäft mit den brutalen Finstermännern einzulassen. Von elektromotorbetriebenen Drahtschlingen, die den Kopf vom Körper trennen, und anderen unschönen Geschäftsmethoden ist da die Rede. Davon, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn man sich einmal auf die dunkle Seite des Lebens begeben hat.

Natürlich geht der Drogendeal wie alle Drogendeals der Filmgeschichte gründlich schief, und die zweite Hälfte der 117 Filmminuten wird darauf verwendet, , all die hässlichen Dinge eintreten zu lassen, vor denen der nun rasant verzweifelnde Held eindringlich gewarnt wurde.

Die Vorhersehbarkeit dieser Dramaturgie wäre zu verschmerzen, wäre die altbekannte Geschichte vom teuflischen Pakt und seinen notwendigen Konsequenzen nicht mit tonnenweise pseudophilosophischem Gangstergeschwätz aufgeladen. Ungeheuer bedeutsam kommen die nihilistischen Ausführungen über das gewalttätige und habgierige Wesen des Menschen daher. Als Wortschmied hat McCarthy ganze Arbeit geleistet, aber das macht den eitlen Sprachduktus und die bedeutungsschwangere Banalität des Gesagten nur noch größer.

Selten hat ein Film so viel heiße Luft und Schicksalswucht um Charaktere produziert, die keinerlei emotionale Bindung zum Publikum aufbauen. Da hilft es auch nichts, wenn exzellente Schauspieler wie Javier Bardem als Lebemann mit Kaktusfrisur und Brad Pitt im schrägen Country-Outfit zu den Vortragenden gehören, Bruno Ganz über den Wert des Unperfekten bei Mensch und Diamanten salbadert oder Cameron Diaz als Femme Fatale schwer auf einen Ferrari abfährt.

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