Symphonie der Banknoten

Symphonie der Banknoten

Geld ist ein Teil der Kultur. Die Personen und Symbole auf Scheinen zeigen, worüber sich eine Gesellschaft selbst definiert.

Düsseldorf. Mal Köpfe, mal bekannte Bauwerke und dann eine Menge Fantasiebrücken: Viele unterschiedlich gestaltete Geldscheine sind in den vergangenen Jahrzehnten durch die Hände der Menschen in Deutschland gegangen. Erst alte, dann neuere Mark-Scheine, dann der Euro und nun die neuen Scheine von Reinhold Gerstetter — für die meisten ist es bereits die vierte Generation im Portemonnaie. Neben dem praktischen Nutzen als Zahlungsmittel sind die Geldscheine — und Münzen bereits viel länger — ein Teil der Kultur.

Foto: dpa

Von jeher prägten Herrscher ihr Antlitz in Münzen, um ihren Herrschaftsanspruch zu untermauern. So heißt es bereits im Neuen Testament: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist“ (Matthäus 22;21), weil das Gesicht des römischen Herrschers in die Münze geprägt ist. Fatal wirkt sich diese Tradition hingegen für den französischen Monarchen Ludwig XVI. 1791 aus. Auf der Flucht vor der Revolution wird er noch vor der Grenze gestellt — Untertanen hatten ihn aufgrund des Münzbildes wiedererkannt und festgesetzt.

Das Nachkriegsdeutschland schließlich hatte zwar auch Köpfe auf seinen Mark-Scheinen, rückte aber so weit wie möglich vom Personenkult ab. Die Konterfeis waren den meisten Bürgern völlig unbekannt, da es sich um Motive zum Beispiel von Albrecht Dürer oder Lukas Cranach handelte. Viel bekannter waren da schon die Rückseiten: Die „Gorch Fock“, der Limburger Dom, Burg Eltz und das Lübecker Holstentor waren bundesweit bekannt.

Erst die zweite Generation ab 1990, die „Persönlichkeitsserie“, setzte auf historische Personen. Doch wo andere Länder auf Könige und Feldherrn setzen, gab sich die Bundesrepublik betont friedlich, indem Künstler, Autoren und Baumeister die Scheine zierten (siehe Kasten).

Ähnlich verfährt die europäische Währungsunion seit Einführung des Euro 2002. Eine gemeinsame Währung, die nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringt, sondern ebenso ein Symbol der Integration ist. Ein Brückenbauer zwischen einst verfeindeten Ländern. Entsprechend zeigen die Scheine Brücken — allerdings fiktive, die europäische Baustile imitieren, um kein Land zu bevorzugen. Kleiner Schönheitsfehler: Die niederländische Stadt Spijkenisse baut die Brücken nun nach.

Selbst der einzige Kopf des Scheins, die „Europa“ im Hologramm, ist so neutral gehalten, dass er weder französisch (Catherine Deneuve) noch spanisch (Penélope Cruz) anmutet.