Richard David Precht im Interview: „Gut zu sein, fühlt sich gut an“

Richard David Precht im Interview: „Gut zu sein, fühlt sich gut an“

Das neueste Buch des Remscheiders Richard David Precht erscheint am Sonntag: „Die Kunst, kein Egoist zu sein“

Herr Precht, der Bestseller von Josef Kirschner "Die Kunst, ein Egoist zu sein" lehrte uns vor 35 Jahren Selbstverwirklichung statt Bescheidenheit und Rücksichtnahme. Gilt das heute nicht mehr?

Precht: Die Krise unserer Zeit ist mehr als nur eine Finanz- oder Wirtschaftskrise. Sie ist eine Gesellschaftskrise. Noch nie war eine Gesellschaft so sehr auf Materielles fixiert, ohne dadurch glücklicher zu werden. Stattdessen wird der soziale Zusammenhalt unserer Gesellschaft immer schlechter.

Precht: Er ist zumindest von Natur aus kooperativ. Er braucht vor allem die soziale Anerkennung und weiß, wenn er für andere etwas macht, kommt eine positive Reaktion zurück. Und das fühlt sich gut an.

Precht: Wenn das egoistisch ist, dann kann man auch gleich alles als egoistisch bezeichnen.

Precht: Das liegt daran, dass wir psychische Missstände nur schwer ertragen können und es verstehen, uns meisterhaft selbst zu belügen. Wir haben diverse Tricks, um vor uns selbst besser dazustehen als wir sind. Menschen definieren sich dadurch, indem sie sich mit anderen vergleichen. Diese Vergleiche dienen auch der moralischen Entlastung: Warum soll ich selbst gut sein, wenn es die anderen auch nicht sind? So gelingt es, uns für vieles nicht verantwortlich zu fühlen.

Precht: Dafür hält die Wirkung von Oxytocin leider nicht lange genug an. Genauso gut könnten Politiker sich vor einer Abstimmung fünf Minuten lang in die Arme nehmen, das wäre nett, würde an den Gesetzen aber auch nichts ändern.

Precht: Bis vor kurzem hätte ich mir da noch Sorgen machen müssen. Aber jetzt ist er sieben Jahre alt, da würde ich vermutlich genau die Hälfte abbekommen.

Precht: Von Wissenschaftlern nie, höchstens von Feuilletonisten.

Precht: Ja, ihnen hat das Buch gut gefallen. Außerdem hilft es mir, mich von vornherein gegen eventuelle Kritik zu immunisieren.

Precht: Meine Kinder nennen mich sogar auch so, sie finden es lustig. Dabei habe ich gar keine Ahnung von Pop. Ich höre fast gar keine Musik.

Precht: Ich finde, die Bahn hat einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen und das möglichst ökologisch und umweltschonend. Es sollte nicht Aufgabe der Bahn sein, Gewinne zu machen.

Precht: Aber nicht erst, seitdem es das Buch gibt.

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