Regisseurin Sofia Coppola: „Film ist das Familiengeschäft“

Regisseurin Sofia Coppola: „Film ist das Familiengeschäft“

Die Regisseurin Sofia Coppola spricht über ihren neuen Film „Somewhere“, kreative Erziehung und den Jubel der Fans.

Düsseldorf. Frau Coppola, ist der Goldene Löwe von Venedig der ultimative Beweis, dass Sie aus dem Schatten Ihres legendären Vaters herausgetreten sind?

Coppola: Ich habe mich auch schon vorher sehr wohl gefühlt und fand, dass ich eine eigene Stimme habe. Natürlich bin ich stolz auf meinen Vater und meine Herkunft. Aber ich habe immer genug Selbstvertrauen gehabt und meinen eigenen Stil.

Coppola: Ich habe ein Weile gebraucht, bis ich wusste, was ich machen wollte. Und habe ja auch so ziemlich alles gemacht, was für eine 18-Jährige typisch ist: bin zu Hause ausgezogen, habe auf dem College unterschiedliche Sachen ausprobiert und hatte mit Anfang 20 eine Modefirma. Letztlich war es die Liebe zum Roman "The Virgin Suicides", die mich dazu bewegte, aus dem Stoff einen Film zu machen - ich wollte sicher sein, dass der Roman adäquat verfilmt wird. Und damit war dann mein Einstieg geschafft, ohne das ich es besonders bemerkt hätte.

Coppola: Ich bin am Set und zwischen Filmkulissen groß geworden. Meine beiden Brüder natürlich auch. Film ist einfach das Familiengeschäft.

Coppola: Kinder zu bekommen und auf ihre eigenen Beine zu stellen kann sehr kreativ sein. Das habe ich auch bei Romy und Cosima schon festgestellt.

Coppola: Die Mutter meines Lebenspartners Thomas Mars (Coppola ist seit 2005 mit dem Franzosen liiert, Anm. der Red.) ist ja Deutsche. "Romy" heißt sie aber nach meinem Bruder Roman, so bin ich auf den Namen gekommen. Und natürlich weil ich Romy Schneider immer sehr gern mochte. Und Cosima, weil ihr Vater Thomas ein Fan klassischer Musik ist.

Coppola: Ich wollte den Film so minimalistisch und naturalistisch halten wie möglich. Deswegen habe ich Klischees vermieden und wollte nicht, dass das Leben der Hauptfigur sich durch ein dramatisches Ereignis von außen verändert. Dieses Porträt von L.A. entspricht meiner Sicht.

Coppola: Das hat mich auch sehr überrascht. Es kam mir fast surreal vor. Es ist schön zu merken, dass den Leuten meine Arbeit gefällt und sie sich dafür interessieren. Aber wie ein Popstar gefeiert zu werden, das hat mit meinem normalen Leben nichts zu tun - sonst werde ich nicht so empfangen!

Coppola: Ich habe keine Eile. Ich nehme mir lieber Zeit und mache das, woran mein Herz hängt, in Ruhe. Ich brauche nun mal etwas länger, um ein Drehbuch zu beenden, dann die Finanzierung auf die Beine zu stellen und dann schließlich zu drehen. Mir gefällt’s, in alle Bereiche involviert zu sein.

Coppola: Früher habe ich oft nachts geschrieben, da war ich am wenigsten abgelenkt. Seitdem die Kinder da sind, habe ich den Rat eines Freundes verinnerlicht: "Gewöhn’ Dich dran, auch mitten im Chaos zu arbeiten!" Also stehle ich mir die Zeit - und wenn der Laptop mitten auf dem Küchentisch steht. Aber meist kann ich mich doch in mein kleines Büro zurückziehen.

Coppola: Nach der ersten Geburt hatte ich Zeit für ein kleines kreatives Projekt, etwas, was mich in meiner Freizeit beschäftigt. Und Handtaschen zu entwerfen ist eine wunderbare Abwechslung zum Wickeln.

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