„Popstars“-Finale: Stars für den Augenblick

„Popstars“-Finale: Stars für den Augenblick

Köln (dpa) ­ Es ist die Feier des Augenblicks. Wer bei der Castingshow „Popstars“ mitmacht, der weiß jetzt neun Jahre nach dem Start der Sendung, dass der Ruhm einer Retortenband kurz sein kann.

Am Donnerstag regnete es beim Finale der jüngsten Staffel im Coloneum in Köln mal wieder Lametta. Wieder gab es dicke Freudentränen, wieder spritzten Fontänen in die Luft und wieder gab es ein großes Feuerwerk.

ProSieben hat vier Mädchen zur neuen „Popstars“-Band gekürt. Die Band heißt LaViVe. Abiturientin Katrin (20) aus Duisburg hat sich ihren Band-Platz an der Seite von Kosmetikerin Sarah (22) aus Ahlen, der arbeitssuchenden Meike (24) aus Schwarzenbach an der Saale und Schülerin Julia (17) aus Oberhausen ersungen. Lediglich 2,13 Millionen Zuschauer - so wenige wie noch nie - verfolgten das Finale ab 20.15 Uhr auf ProSieben.

Niemand war besser als Katrin: Mit großer Pose sang sie im Abendkleid erst „One Moment In Time“ von Whitney Houston, dann „I Wanna Know What Love Is“ in der Version von Mariah Carey. „Wenn die Zuschauer nach Stimme aussuchen, dann kommst du in die Band“, sagte Juror Detlef „Dee“ Soost, der schon seit der ersten Staffel das Gesicht der etablierten Marke „Popstars“ ist.

Neu in der Jury waren in diesem Jahr Sängerin Marta Jandová (Die Happy) und Musikmanager Thomas Stein. Der bewertete auch schon die Kandidaten der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) und sollte die Sendung nach eigenen Angaben wieder vom Tanz zur Musik führen.

Was dabei herausgekommen ist, ist im Vergleich zu den Vorjahren beachtlich. „No Time For Sleeping“ heißt die erste Single der Mädchenband und geht als Ohrwurm durch. Der Refrain ist einprägsam, dazu pumpen dumpfe Bässe ­ und es gibt eine Rap-Einlage von Katrin. Stein jedenfalls glaubt an den Erfolg dieses Songs. „Ich hoffe, dass die Mädchen tatsächlich keinen Schlaf haben, sondern ganz viel arbeiten müssen“, sagte er.

Bislang ist zumindest in Deutschland noch kein Casting-Gewinner in den Pophimmel geflogen. Selbst Sieger, die bei der RTL-Superstarsuche von bis zu zehn Millionen Zuschauern gefeiert wurden, verschwanden im Nirgendwo. Alexander Klaws, Gewinner der ersten DSDS-Staffel, darf sich heute immerhin im Hamburger Musical „Tarzan“ jeden Abend von Liane zu Liane schwingen. Charterfolge hat er schon lange nicht mehr.

In den deutschen Singlecharts steht momentan nur noch Castingstar Edita Abdieski, die vor ein paar Wochen die Vox-Show „X-Factor“ gewonnen hatte. Mit ihrem Song „I've Come To Life“ ist die Sängerin nach einer Woche unter den besten Zehn auf Rang 27 gerutscht. Ein Platz in den Top-Ten der Charts wäre der neuen Band LaViVe zu wünschen. Ihre Vorgänger Some & Any schafften es mit ihrer ersten Single „Last Man Standing“ Ende 2009 nicht.

ProSieben hat vorgesorgt und einiges in dieser neunten Staffel geändert: Die Zuschauer durften den Bandnamen selbst bestimmen, nachdem es im Vorjahr schon für den ­ vom Sender bestimmten ­ Namen „Buh“-Rufe gab. Außerdem setzten die Macher verstärkt auf Typen und weniger auf pure Schönheiten mit dünnen Stimmchen. Das Casting-Geschäft verstehen mittlerweile auch die Zuschauer: Als Moderatorin Charlotte Engelhardt die Bekanntgabe Minute um Minute verzögerte und die Zeit mit Worthülsen füllte, rief ein Gast „Verarsche“ ins Studio ­ wahrscheinlich war das im Fernsehen nicht zu hören.

Wirklich gelungen war der Einfall der „Popstars“-Macher mit einem Flashmob-Tanz in die Sendung zu starten. Dafür buchte ProSieben das norwegische Duo Madcon, verteilte weiße Taschentücher im Publikum und versuchte zum Lied „Glow“ den Tanz vom Eurovision Song Contest in Oslo nachzumachen. „Damit schreiben wir Fernsehgeschichte“, gab Juror „Dee“ den Kölner Studiogästen mit.

Nach dem zuschauerschwachen Finale ist die Zukunft des TV-Formats „Popstars“ offen. Ob es auch im kommenden Jahr wieder eine Staffel geben wird, steht noch nicht fest, sagte ein ProSieben-Sprecher am Freitag.