Nach Turbulenzen um Neuausrichtung: Deutscher Tanzpreis neu konzipiert

Nach Turbulenzen um Neuausrichtung: Deutscher Tanzpreis neu konzipiert

Die Auszeichnung wurde von 1983 bis 2016 als Anerkennung für ein herausragendes Lebenswerk in der Tanz- und Ballettwelt vergeben. Jetzt wird der Preis neu ausgeschrieben.

Düsseldorf. Der Deutsche Tanzpreis ist tot, es lebe der Deutsche Tanzpreis! Nach Turbulenzen um eine Neuausrichtung im vergangenen Jahr, die in einer Absage der Gala in Essen gipfelte, wird die traditionsreiche Ehrung jetzt wiederbelebt. Professionell neu konzipiert und unter anderem mit einer Dotierung aufgewertet, entspricht der in die Jahre gekommene Preis jetzt dem ästhetischen Zeitgeist. Die Ausschreibung für den Neustart in 2018 läuft.

Nachdem die Prominenz und die Hoffnungsträger des Balletts — darunter Peter Breuer, Starsolist der Deutschen Oper am Rhein in den 1960ern und 1970ern, und der aktuelle Top-Tänzer des Balletts am Rhein Marcos Menha — ihn in die Vitrine gestellt haben, bekommen auch herausragende Künstler anderer Tanzstile eine Chance. Denn selbst wenn Tanztheater-Ikonen Pina Bausch und Susanne Linke oder Tanzhaus NRW-Begründer Bertram Müller in der fast 35-jährigen Geschichte geehrt wurden, konzentrierte man sich doch arg auf die Vertreter der akademisch-klassischen Disziplin.

Eine zentrale Figur bei der Wiederbelebung der einzigen deutschen Auszeichnung im Tanz ist der renommierte Ballettpädagoge Martin Puttke. Fast wie ein Vermächtnis nahm er 2016 den vorerst letzten Tanzpreis entgegen. Als Erster Vorsitzender des Fördervereins Tanzkunst Deutschland (FTD), der den Preis seit 2005 alljährlich vergab, wickelt er nun den Verein ab — und erfindet das Event neu. Gemeinsam mit reformwilligen Mitstreitern gewann der ehemalige künstlerische Leiter des Berliner Staatsballetts und des Aalto-Balletts Essen den Dachverband Tanz Deutschland (DTD) als neuen Träger. Ulrich Roehm, der den Preis 1983 gegründet hatte, fürchtete um sein Lebenswerk. „Wir versuchen, sein Lebenswerk zu retten“, hatte Martin Puttke entgegnet. Und die Ärmel hochgekrempelt: In langwierigen Gesprächen gründete das Trio aus Puttke, Bertram Müller (beide DTD-Vorstände) und DTD-Geschäftsführer Michael Freundt eine finanzielle und kulturpolitische Partnerschaft mit dem Kulturstaatsministerium, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Essen.

„Es war notwendig, den Tanzpreis upzudaten. Er war so nicht mehr lebensfähig“, äußert sich Martin Puttke. „Jetzt bildet er die Vielfalt und das hohe Niveau der veränderten deutschen Tanzlandschaft ab. Mit einer nennenswerten Dotierung, Kuratorium und Jury hat er einen vergleichbaren Rang mit anderen wichtigen Kunstpreisen und ist nicht mehr nur ein lokales Ereignis.“ Ein weiteres Novum: Künstler aus der freien Szene sollen gleichberechtigt neben etablierten Häusern berücksichtigt werden. Puttke: „Der Preis ist hervorragend dafür geeignet, beide Player einander näher zu bringen.“

Ausgezeichnet werden künftig ein Hauptträger für sein Lebenswerk oder eine herausragende Leistung sowie zwei weitere Künstler jeweils für eine aktuelle Interpretation und eine aktuelle Inszenierung.

Die Gala zur Preisverleihung feiert die Tanzwelt weiterhin im Aalto-Theater in Essen. Dort wird der erste Deutscher Tanzpreis 2.0 am 22. September überreicht. Schirmherr bleibt Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert.