So war das Seeed Konzert in der Kölner Lanxess-Arena

Konzertbericht : Seeed lassen ihr Publikum in Köln schwitzen

Am Montagabend spielte die Berliner Band „Seeed“ ein umjubeltes Konzert in der Kölner Lanxess-Arena.

Seeed sind nach mehr als zwei Jahren Bühnenabstinenz zurück. Und wie. Am Montagabend machten Sänger Peter Fox und Frontmann Frank Dellé mit ihrer elfköpfigen Band Halt in der ausverkauften Lanxess-Arena. Und was soll man sagen? Wäre in ganz Köln der Strom ausgefallen, hätte die Arena als Notstromaggregat herhalten können. Band und Publikum waren voller Energie. Von der ersten bis zur letzten Minute wurde getanzt – in den Logen, auf den Rängen und im Innenraum.

Als Start in den Konzertabend hatte die Reggae- und Dancehall-Kombo aus Berlin die erste Single aus ihrem aktuellen Album „Bam Bam“ ausgewählt: „Ticket“. Ein Lied wie eine Eintrittskarte in eine andere, entspanntere und freundschaftlichere Welt. Die Menge jubelt, weiß, dieser Abend wird im positiven Sinne verrückt. Und sie soll recht behalten. Seeed feiern den Moment, die Musik und das Leben. Ohne zu verhehlen, dass dieses traurige Wendungen mit sich bringen kann – plötzlich und unerwartet. So erlebt, als der dritte Sänger der Band, Demba Nabé (auch bekannt als Boundzound), im Mai 2018 verstarb. Ihm zu Ehren singen Fox und Dellé seinen Song „You and I“, während die Arena von einem Meer aus Handylichtern und Feuerzeugen erleuchtet wird. Spannender ist, was auf der Bühne passiert: Als es im Lied zu Demba Nabés Gesangspart kommt, wird es dunkel. Ein einzelner Scheinwerfer zeigt die Lücke, die Nabés Tod hinterlassen hat, während seine Stimme vom Band tönt.

Danach geht es weiter, wie man es von Seeed gewohnt ist. Die Formation zeigt mit wummernden Bässen, Bläserklängen und tanzbaren Beats, warum sie als eine der besten Live-Bands Deutschlands gilt. Köln erlebt ein grooviges Spektakel und darf sich freuen, dass die Band im November noch einmal für ein Zusatzkonzert zurückkehrt – wenngleich auch alle Tickets ausverkauft sind.

Zwischen den Studioalben vier und fünf liegen sieben Jahre

So ist das eben, wenn man rund sieben Jahre auf neue Musik warten muss. So viel Zeit haben sich Seeed nämlich für ihr fünftes Studioalbum „Bam Bam“ gelassen. Dafür bringt die Band neue Sounds mit. Am besten wird das in Liedern wie „Sie ist geladen“ deutlich, bei denen der Gitarrist herrlich schön über sein Instrument schrammen kann. Rapperin Nura gibt sich für ihr Feature diesmal nur auf den zwei LED-Türmen am Rande der Bühne die Ehre. Dafür steht kurz darauf Sänger Porky von Deichkind auf dem Podium, performt „Lass das Licht an“.

Die Lieder aus „Bam Bam“ bilden auf der Setlist in Köln den Schwerpunkt. Doch Seeed spielen natürlich auch Songs aus früheren Alben wie „Dancehall Caballeros“, „Schwinger“ und „Augenbling“ – Klassiker. Und Peter Fox steuert aus seinem Solo-Album „Stadtaffe“ ein paar Lieder bei: Bei „Schwarz zu Blau“ singt das Publikum lautstark mit, bei „Schüttel deinen Speck“ tanzt es naturgemäß noch wilder.

Die Band überrascht an diesem Abend durch neue Arrangements. Die Gruppe holt mal die Basskeule raus, lässt die Blechbläser dominieren, gibt Vollgas, drosselt im nächsten Moment das Tempo, driftet fast in andere Sphären ab. Ganz am Ende der rund 100-minütigen Show heißt es nochmal volle Kraft voraus. „Dickes B“, die Hommage an die Hauptstadt, kommt erst wie gewohnt daher, übernimmt dann die Melodie von Justin Timberlakes „SexyBack“, um das Publikum mit noch mehr Energie und verschwitzt tanzend in die Nacht zu entlassen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung