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Roxette-Fanclub: "Seit 20 Jahren warte ich auf ein Autogramm von Marie"

Roxette-Fanclub: "Seit 20 Jahren warte ich auf ein Autogramm von Marie"

Düsseldorf/Köln. Obwohl das Konzert im Kölner Tanzbrunnen erst in sieben Stunden beginnt, ist Patricia (37), Jenni (33), Tanja (33), Mareike (29), Silke (36), Sandra (28) und Benjamin (33) die Anspannung anzumerken.

Mit Fotos und Postern im Anschlag, die Kameras griffbereit, warten sie am Ankunftterminal 1A des Düsseldorfer Flughafens, dass ihre Idole, das schwedische Pop-Duo Roxette, jeden Moment durch die Türe kommen.

Kirsten Ohlwein (29), Webmasterin von "Planet Roxette", dem einzigen deutschsprachigen Fan-Forum, hat nämlich läuten hören, dass Marie Fredriksson und Per Gessle mit einer Lufthansa-Maschine aus Leipzig anrauschen, wo sie am Abend zuvor ein Konzert am Völkerschlachtdenkmal gegeben haben. Dann die große Ernüchterung: Die Ankunftszeit 13.15 Uhr ist längst verstrichen, aber nichts passiert. Lediglich ein paar normale Touris oder Geschäftsreisende huschen vorbei.

"Vielleicht sollten wir es im VIP-Bereich versuchen", schlägt Kirsten vor. "Wie in Berlin." Gesagt, getan. Mit geschulterten Rücksäcken geht's dorthin, wo die wirklich wichtigen Passagiere ankommen. Und tatsächlich: Vor dem VIP-Bereich stehen bereits drei Vans mit verdunkelten Scheiben, Security-Leute mit Knopf im Ohr wuseln aufgeregt umher. "Hier sind wir richtig", meint Silke.

Die 36-jährige Mettmannerin ist Roxette-Fan, seit sie denken kann und überglücklich, dass nach der langen, schweren Erkrankung von Marie Fredriksson Roxette wieder auf Tour gehen. "Seit 20 Jahren warte ich auf ein Autogramm von Marie", sagt sie und hält ein aktuelles Tour-Poster hoch.

"Von Per und den anderen Band-Mitgliedern habe ich schon Unterschriften. Aber Marie fehlt mir - das wär' das größte." Dann ist es endlich so weit. Als Erster kommt Per Gessle. Der 52-Jährige grinst übers ganze Gesicht, als er auf die Schar der Wartenden zutritt. "Hi, how are you?", ruft er ihnen zu - und beginnt sofort, Autogramme zu schreiben. Das ist es, was die Fans so klasse an Roxette finden.

"Dass sie auf dem Boden geblieben, Stars zum Anfassen und ohne jede Allüren sind. Das läuft alles völlig unaufgeregt ab", erklärt Kirsten Ohlwein. Bei der 36-jährigen Silke hat der Puls mittlerweile schwindelerregende Höhen erreicht. "Mindestens 200", sagt sie und muss schlucken. Vor ihr steht Marie Fredriksson - in enger Lederkluft, Sonnenbrille auf der Nase, braun gebrannt und mit wasserstoffblonder Stoppelfrisur. "Marie, please", flüstert sie ihr zu und erntet ein freundliches Lächeln.

"Yes", sagt die drahtige Frau aus dem hohen Norden und greift nach dem weißen Edding. Dass die 53-Jährige, bei der 2002 ein lebensgefährlicher Gehirntumor entdeckt wurde (die Ärzte gaben ihr eine fünfprozentige Überlebenschance), dem Tod von der Schippe gesprungen ist - unglaublich. Auch für Jenni (33) aus Grünberg in Mittelhessen sind solche Augenblicke unvergesslich.

Als Hardcore-Fan, der sämtliche Deutschland-Konzerte der Welttournee besucht, in Berlin, Oberursel und Leipzig dabei war und noch einige andere vor der Brust hat, ist es zwar nichts Außergewöhnliches, Roxette am Flughafen oder vor dem Hotel abzupassen - aber wackelige Knie bekommt sie trotzdem jedes Mal. Ein Mega-Fan wie er im Buche steht, ist Heike Nachtigall aus Düsseldorf. Die 47-Jährige stößt vor dem Eingang zum Tanzbrunnen zu Kirsten, Silke, Jenni und all die anderen. Im Schlepptau hat sie ihre Tochter Marie (17).

"Der Name hat aber nichts mit Marie Fredriksson zu tun", sagt sie sofort. "Das ist purer Zufall." Passt aber. Die Teenagerin ist mittlerweile ebenfalls glühende Verehrerin von Roxette und begleitet ihre Mutter auf deren Konzert-Reisen so gut es geht - und es die Schule zulässt. Bei Roxette ist sie allerdings das erste Mal - schließlich hat das Schweden-Duo fast zehn Jahre zwangspausiert und ist erst seit Anfang dieses Jahres wieder auf Tournee.

"Wir waren aber bei den Solo-Auftritten von Per Gessle und bei denen mit seiner alten Band Gyllene Tider", erzählt Heike Nachtigall. "Und bei der schwedischen Fassung von ,Night Of The Proms' 2008, als Marie in ihrer Heimat aufgetreten ist." Vom Virus Roxette befallen wurde die Düsseldorferin in den frühen 1990er-Jahren. "Damals gab's die Sendung ,Formel 1'. Viva und MTV kannten wir noch nicht. Und ich fand die Video-Clips von Roxette einfach bärenstark."

Die Liebe zu dem Pop-Duo hat die Jahrzehnte überdauert und wurde in der Zwangspause von Roxette eher noch größer. "2001 sind meine Eltern innerhalb weniger Wochen verstorben", erzählt die 47-Jährige. Trotz Gewissensbissen, jetzt doch nicht ein Konzert besuchen zu können, hab ich mir damals Roxette in Oberhausen und Dortmund angeschaut. "Und die Kraft und Präsenz, mit der Marie Fredriksson auf der Bühne stand, haben mich aufgebaut und wieder nach vorne schauen lassen."

Für sie habe danach festgestanden: "Das musst du ihr irgendwann und irgendwie zurückgeben." Als Marie dann erkrankte, habe sie ihr Genesungswünsche zukommen lassen, Fotos und Blumen geschickt und Roxette weiter die Treue geschworen - in der Hoffnung, dass die Geschichte ein Happy-End hat. Organisiert sind die Treuesten der Treuen in Deutschland vor allem über "Planet Roxette".

Rund 130 Fans sind dort organisiert, posten, twittern und schreiben, was das Zeug hält. Koordiniert wird das Ganze von Kirsten Ohlwein. Die 29-jährige Redakteurin leitet das Forum, stellt die neuesten Neuigkeiten rund um Marie und Per ins Netz und begleitet Roxette im In-und Ausland. "Die Kollegen in der Redaktion fragen schon immer: Na, Kirsten, was machst du in deinem Urlaub? Ich antworte dann: Konzerte besuchen. Und was machst du sonst noch, wollen sie wissen.

Und ich antworte: Noch mehr Konzerte besuchen." Seitdem Roxette wieder auf der Bühne sind und mit "She's Got Nothing On (But The Radio)" einen Top-10-Hit landeten, brummt der Laden richtig. "Es werden immer mehr, die sich bei uns anmelden", erzählt Kirsten Ohlwein. "Viele haben von der Erkrankung von Marie und ihrem unglaublichen Überlebenskampf erfahren. Das hat sie sehr beeindruckt." Und: Zahlreiche Fans aus den 80er- und 90er-Jahren haben ihr Herz für Roxette wiederentdeckt."

Zu den organisierten Höhepunkten der "Planet Roxette"-Aktionen gehörten in diesem Jahr die Auftritte bei "Wetten, dass . . .?" im Februar und bei der Aufzeichnung für die "Chart Show" mit Oliver Geissen. Mit eigens kreierten "Charm School Girl"- oder "Charm School Boy"-T-Shirts (in Anlehnung an die aktuelle CD "Charm School") besetzten sie die ersten Reihen und bereiteten ihren Idolen einen begeisternden Empfang.