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Robyn: Aller guten Dinge sind drei

Robyn: Aller guten Dinge sind drei

Mit dem letzten Teil ihrer Album-Trilogie „Body Talk“ beweist die Schwedin Robyn, dass sie in Sachen Pop zurzeit den Ton angibt.

Kurz vorweg, nur damit keine Missverständnisse entstehen: Ja, einer von Robyns ersten Hits hieß 1996 "Show Me Love". Und nein, dabei handelt es sich nicht um die gleichnamige House-Hymne, die in den 90ern allgegenwärtig aus jedem Dorfdisko-Lautsprecher dröhnte.

Dieser Song stammt, und daher ist das Verwechslungspotenzial tatsächlich groß, von der US-Chanteuse Robin S. Ohne Ypsilon, dafür mit einem zum Einzelbuchstaben reduzierten Nachnamen. Sie tanzte übrigens nur einen Sommer und drei Hits lang!

Robyn wiederum, um zum eigentlichen Thema zurückzukommen, macht nun schon im 15. Jahr Musik. Und das durchaus erfolgreich. Drei ihrer Alben landeten in ihrer Heimat Schweden auf der Pole Position der Charts.

Auch in Großbritannien konnte sie sich 2007 mit "With Every Heartbeat" auf der Nummer eins platzieren. Und selbst in den USA, wo kontinentaleuropäische Künstler sich eher schwer tun, war sie bereits mehrfach in den Top Ten vertreten, unter anderem mit dem bereits erwähnten "Show Me Love".

Dass dieser ungefähr anderthalb Jahre währende Erfolg auf dem größten Musikmarkt der Welt ausgerechnet den Start ihrer Karriere markiert, ist irgendwie typisch für die heute 31-Jährige. Normalerweise müssen Künstler jahrelang ackern, bis sie in den USA auch mal einen Hit landen.

Bei Robyn allerdings läuft alles ein bisschen schräg. Beispielsweise auch, dass sie nicht etwa wegen späterer Erfolglosigkeit die Staaten Ende der 90er wieder verließ, sondern weil sie schlicht Heimweh hatte. "Und ich wollte einfach nur Musik machen", sagte sie 2005 in einem Fernsehinterview.

Als blutjunger Chart-Hit-Lieferant, der in die Mühle von Aufnahme, Vermarktung und Tour gerät, fällt das eher schwer. Dazu kam, dass sie erste Anzeichen eines Burn-outs erkennen ließ. Da hieß es: Besser die Notbremse ziehen.

Die Entscheidung zur verfrühten Kreativpause mit 19 war goldrichtig. In den Nuller-Jahren zeigte sich Robyn experimentierfreudig, machte erwachsenen, ausgereiften Pop und mauserte sich damit zu einer Art Indie-Ikone.

Der kommerzielle Erfolg riss ob dieser neuen Liebe zur Verschrobenheit allerdings nicht ab. "Ich verstehe das sowieso nicht so recht", sagte sie damals in bereits erwähntem Interview.

"Außerhalb meiner Heimat denken die Leute, dass das, was ich mache, Avantgarde oder sowas Ähnliches sei. In Schweden hingegen sehen sie in meiner Musik das, was sie ist: Pop!"

Feuilleton-Liebling wider Willen? Wohl nicht. Robyn ist eher einer dieser raren Acts, die schlafwandlerisch sicher zwischen Kunst und Kommerz wandeln. Ihre diesjährige Album-Trilogie "Body Talk" unterstreicht diese Fähigkeit.

Einerseits zwinkert da das akademische Konzept, wenn innerhalb weniger Monate drei in sich stimmige Alben abgeliefert werden, auf denen sich verträumte Elektrohymnen mit ruhigen Acoustic-Songs abwechseln und sich listigerweise auch noch gegenseitig vorwegnehmen. Andererseits ist keiner der Songs melodiös abwegig oder verkrampft überproduziert. Alles verfolgt eine klare Linie.

Und gewissermaßen schließt sich mit dem dritten und finalen Teil der "Body Talk"-Serie, der gestern erschien, auch der Kreis zu ihren etwas hupfdohligen Anfängen, als sie 17-jährig die USA bezauberte. Denn der Mann, der sie damals produzierte, schrieb ihr nun nach 14 Jahren wieder einen Song, das launig-verspielte "Time Machine".

Jener Max Martin, der mit ihr 1996 über den großen Teich wechselte, war damals übrigens in den USA geblieben - um als Komponist und Reglerschieber von Britney Spears, den Backstreet Boys, Kelly Clarkson oder aktuell Adam Lambert groß rauszukommen.

Wer so viel Erfolg hat, kann auch mal nach Hause zurückkehren, um, wie Robyn es nennen würde, einfach wieder Musik zu machen. Schnörkellosen Pop konnten die Schweden ja schon immer recht gut.