Harlem Gospel Singers: Queen Esther Marrow: Zum Abschied ist sie kein bisschen leise

Harlem Gospel Singers: Queen Esther Marrow: Zum Abschied ist sie kein bisschen leise

Gospelstar Queen Esther Marrow bezieht beim Tourauftakt in Berlin klar Stellung für Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit.

Berlin. „Die Welt ist derzeit in keinem guten Zustand“, sagt Sängerin Queen Esther Marrow beim Auftakt ihrer Deutschlandtour mit ihren Harlem Gospel Singers im Berliner Admiralspalast. Still gedenkt sie der Opfer des Anschlags in der Nacht zuvor und will mit ihrer Musik den Menschen in dieser Stadt wieder Kraft und Hoffnung geben. „Es hat mich sehr betroffen und traurig gemacht, dass zwölf unschuldige Menschen in dieser Stadt sterben mussten. Mit meiner Musik wollte ich den Menschen hier etwas Kraft und Freude in einer schweren Zeit geben.“

Sie erinnert an Martin Luther King, mit dem sie einst als junge Sängerin in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung aktiv war. Auch der südafrikanische Befreiungskämpfer und frühere Präsident Nelson Mandela ist für sie Vorbild, wenn es bei „Rise up“ darum geht, aufzustehen und für eine bessere Welt zu kämpfen. „Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben und müssen aktiv werden für eine bessere Zukunft“, sagt Queen Esther Marrow, und bekommt den lautstarken Jubel ihrer Fans zurück. Es sei wichtig, mit jungen Menschen zu arbeiten, wie sie das tue, um ihnen Hoffnung und Sinn im Leben zu vermitteln.

Es ist die letzte Europatour der Frau, die einst von Duke Ellington entdeckt wurde und die mit weiteren Musiklegenden wie Bob Dylan, Aretha Franklin, Ella Fitzgerald, B.B. King, Harry Belafonte, Ray Charles und Chick Corea zusammengearbeitet hat. „Duke hat mich auf Tour durch die Staaten und auch Europa mitgenommen. Das hat mein Leben verändert, ich wollte das auch nach dem Ende der Tour weitermachen.“

Vor 25 Jahren entstand zusammen mit dem Mannheimer Produzenten Michael Brenner und Queen Esthers langjähriger Managerin Rosanne Kirk die Idee zu ihren Harlem Gospel Singers, mit denen sie die USA, Kanada und Europa für sich eroberte. Auch Konzerte im Weißen Haus und im Vatikan gehören zur Geschichte der Gospelqueen. Bislang kamen mehr als 2,5 Millionen Menschen zu ihren Shows, die RʼnʼB, Jazz und Pop mit Gospel eindrucksvoll verbinden. „Es geht mir nie um das Genre, ich will nur gut geschriebene Musik singen.“

Der Abschied vom Projekt fällt ihr nicht leicht: „Es ist traurig, jetzt Abschied zu nehmen, aber ich freue mich, solch große afro-amerikanische Talente in Europa bekannt gemacht zu haben“, sagt Marrow, die immer wieder neue Sänger und Sängerinnen für ihre Harlem Gospel Singers entdeckt und gefördert hat.

Was sie damit meint, zeigen ihre „Babys“, wie sie die Mitglieder ihres Ensembles liebevoll nennt, höchst eindrucksvoll. Da stehen keine Mitglieder eines Chors auf der Bühne, sondern musikalische Persönlichkeiten wie Rodney Archie, Marvin Lowe, Keesha Gumbs oder die Jüngste, Jahlisa Nikitser. „Die Begegnung mit den europäischen Fans hat mir große Freude bereitet und mein Leben verändert“, sagt Queen Esther Marrow, und die Reaktionen im Berliner Publikum zeigen, wie groß die Freude ist, die die Ausnahmekünstlerin ihren Fans im Laufe der vielen Jahre bereitet hat.

Auf der Abschiedstour gibt es große Songs der Musikgeschichte wie Ray Charlesʼ „Georgia on my Mind“, Marc Cohns „Walking in Memphis“ oder „Purple Rain“ von Prince genauso wie den Gospel-Klassiker „Oh Happy World“ oder „Amazing Grace“. Dazu kommt das Best-of der Harlem Gospel Singers wie „Higher and Higher“ oder „Faith“. Arrangiert wurden die von Queen Esthers langjährigem Weggefährten und musikalischem Leiter Anthony Evans.

Sorgen bereitet Queen Esther Marrow insbesondere auch die Situation in den USA: „Diese Person, die wir jetzt zum Präsidenten gewählt haben, hat viel Hass mit sich gebracht. Die Verhältnisse können sehr schnell wieder sehr hässlich werden. Ich hätte nie gedacht, dass wir soweit zurückgeworfen werden könnten“, sagt die einstige Unterstützerin von Martin Luther King. „Es ist schwer, an seinem Glauben festzuhalten. Aber das müssen wir. Wir dürfen uns nicht auf die Ebene von Trump herunterlassen“, fordert die Sängerin.

Und sie weiß: „Es gibt keinen neuen Dr. King oder Malcolm X. Wir müssen die Aufgabe gemeinsam schultern.“ Für Queen Esther Marrow wird es auch weiter Auftritte in den USA geben. Außerdem will sie sich mehr um ihre 96-jährige Mutter kümmern und ein Buch über ihr Leben peilt sie als neues Projekt außerdem an. Auch ihre Solokarriere als Jazzsängerin soll fortgesetzt werden. In NRW gibt es zahlreiche Konzerte der Tour, so kommt Queen Esther Marrow mit ihren Harlem Gospel Singers fünf Mal nach Köln, zweimal nach Düsseldorf, Essen und Dortmund sowie einmal nach Duisburg.