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Of Monsters And Men: Von Trappern, Trollen und Triumphen

Of Monsters And Men: Von Trappern, Trollen und Triumphen

Mit „Little Talks“ ist das isländische Sextett Of Monsters And Men Dauergast der Radio-Playlisten. Die Single ist nur der Vorgeschmack auf ein brillantes Album.

Düsseldorf. Was Folkmusik auszeichnet, ist einfach auf den Punkt gebracht. „Du hast deine Gitarre, deine Instrumente, setzt dich hin und schreibst einen Song“, sagen Nanna Bryndís Hilmarsdóttir und Ragnar órhallsson, das Frontpaar der Band Of Monsters And Men. „Und zum Mitspielen holst du noch ein paar Freunde.“

Sechs Mann sind genug, um Lieder zu schaffen, die im Ohr hängen bleiben, Spaß machen und vollkommen natürlich klingen. Passend zur Heimat der Feen und Trolle, handeln sie von außergewöhnlichen Helden und fabelhaften Tieren — Fantasien, die nur auf Island entstehen können, wo das Sextett herkommt und sich 2010 zusammentat.

Angefangen hat die Reise mit Nannas Soloprojekt Songbird — weniger als drei Jahre ist das her. „Ich wollte mich weiterentwickeln, lernen und wachsen und hatte das Gefühl, dass ich dazu Mitspieler brauche“, erzählt sie. Ein Freund kannte mit Ragnar jemanden, dessen Profil zu ihr passte, und brachte die zwei zusammen. Welch ein Glücksfall, denn schnell stellten sie fest, dass sie auf einer Wellenlänge lagen: Beide teilten ähnliche musikalische Vorlieben, konnten Gitarre spielen, singen und überdies Songs schreiben.

In den Folgemonaten stieß ein Mitglied nach dem anderen zum Singer-Songwriter-Doppelpack, zuerst Gitarrist Brynjar Leifsson, dann Schlagzeuger Arnar Rósenkranz Hilmarsson. Die erste Feuerprobe bestand das Quartett mit Bravour: Die frisch geformten Of Monsters And Men nahmen am alljährlich stattfindenden „Músiktilraunir“ teil, einem angesehenen Band-Wettbewerb — und gewannen. Angesichts einer florierenden Musikerlandschaft auf der kunstbesessenen Insel Island stellt der Erfolg eine hohe Auszeichnung dar, weckte internationales Interesse und beförderte die Motivation der Band, ernsthaft durchzustarten.

Pianist und Akkordeonspieler Árni Gujónsson sowie Bassist Kristján Páll Kristjánsson komplettierten die junge Kapelle, und der Funke sprang nach Seattle über: Der dortige Radiosender KEXP-FM, der sich auf Alternative- und Indie-Rock spezialisiert hat, sah Of Monsters And Men auf dem „Iceland Airwaves Festival“ in Reykjavík und verhalf der Band außerhalb ihrer Heimat zu Aufmerksamkeit. Mit der Veröffentlichung der ersten Single „Little Talks“ im Sommer 2011 war die erste Etappe geschafft — Platz eins der isländischen Album- und Single-Charts.

Kaum ein Jahr später erscheint nun das Debütalbum „My Head Is An Animal“ auch in Europa und den USA — Musik, die sich von den aktuellen Klängen, die von der Insel aus Feuer und Eis kommen, deutlich unterscheidet: Wo Björk und Sigur Rós fremde Welten und experimentelle Sphären erschaffen, setzen Of Monsters And Men auf traditionellen Folk. Irgendwo zwischen Arcade Fire (Der amerikanische „Rolling Stone“ begeistert sich gar so sehr zu sagen: „Dürfen wir vorstellen? Eure neuen Arcade Fire!“) und urwüchsigem Kneipengesang entwickelt ihre Musik eine stimmungsvolle Atmosphäre und kindlichen Charme.

Inspiriert von Erzählungen und modernen Sagen singen sie von einem Krieg zwischen Vögeln und Bienen oder der wahren Geschichte des amerikanischen Trappers Hugh Glass und seinem Kampf mit einem Grizzly. Das märchenhafte „From Finner“, das von einer Gruppe Menschen handelt, die in einem Haus auf dem Rücken eines Wals die Meere bereisen, lässt sich gar als Metapher auf die Band selbst verstehen. Denn auch sie macht sich nun in ein Abenteuer fern ihrer Heimat auf. Und mit „My Head Is An Animal“ im Gepäck scheint diese große Reise gerade erst zu beginnen.