Kritik: So war das Konzert von Pink im Kölner Stadion

Konzertkritik : Pink macht das Kölner Stadion zum Funhouse

Zum Auftakt der „Beautiful-Trauma-Tour“ zieht Pink alle Register. Die Amerikanerin liefert im Kölner Stadion ein großartiges Konzert ab.

Es war zu einer Zeit, als Plattenfirmen die Musikredakteure noch mit CDs bemusterten. Vor allem bei Neuentdeckungen begleitet von euphorischen Texten über einen neuen Stern, der am Himmel des Musikbusiness aufging, aber in der Regel ebenso schnell wieder verschwand. Als Alicia Beth Moore im Jahr 2000 ihr Album "Can't take me home" vorlegte, fiel der Pressetext besonders euphorisch aus. Mit dem Unterschied, dass aus der 39-jährigen Amerikanerin tatsächlich ein Markenzeichen für geniale Popmusik geworden ist. Fast genau zwei Stunden bewies Pink beim Auftakt ihrer "Beautiful-Trauma-Tour" im Kölner Stadion, warum sie eine absolute Ausnahmekünstlerin ist. Und warum man Nachmachen lieber erst gar nicht versuchen sollte.

Pink ist cool: Vor dem Konzert fuhr sie noch auf dem Fahrrad mit ihrem zwei Jahre alten Sohn durch Köln. Berührungsängste kennt sie nicht. Während des Konzertes steigt sie von der Bühne ins Publikum und macht mit ein paar Fans Selfies. Schon zu Beginn der Show schwebt die Sängerin als Zirkusartistin auf die Bühne. Zum Finale passiert Atemberaubendes. Die zweifache Mutter schwebt an Seilen quer durch das halbe Stadion und kommt dabei auch den Besuchern auf den oberen Rängen ganz nah. Das traut sich nur Pink. Wahrscheinlich geht ein großer Teil der Tour-Produktionskosten für die Lebensversicherung drauf.

Pink ist ein Star: 37 Singles hat Pink in den deutschen Charts platziert. Wo andere Künstler ihre Hits sorgsam über den Abend verteilen, kann die Amerikanerin eine Rakete nach der anderen zünden. Ob "Beautiful Trauma" oder "Just like a Pill", schon unter den ersten Songs reihen sich die Hits auf wie an einer Perlenkette. Dabei kokettiert Pink gern mit ihrem eigenen Image. Etliche Male wechselt sie das Outfit, mal steht sie im schwarzen Glitzerkleid auf der Bühne, am Ende mit Jeans und T-Shirt, so wie zu Hause kurz vor dem Zubettgehen. Selbstironisch spielt Pink damit, dass sie mit ihrem durchtrainierten Körper und den kurzen Haaren ein bisschen wie ein Junge aussieht. So ein unerschütterliches Selbstbewusstssein hat nur echter Star.

Pink kann was: Was den Abend von einem Madonna-Konzert unterscheidet, ist die Tatsache, dass man tatsächlich nur die Backgroundsängerinnen hört, wenn Pink gerade Stofftierchen, Blumen, ein Buch oder sogar bunte Socken auf der Bühne einsammelt. Das Akustik-Set verlagert sie über die Rampe vor der Bühne mitten ins Publikum. Und beweist ihre Ausnahmestimme. Großartig ihre Version von "Time after Time", das sie bei Kollegin Cindy Lauper ausgeliehen hat.

Pink liefert eine grandiose Show: Am Schluss des Konzerts rieselt ein Regen aus roten Papierschnipseln auf das Publikum im Stadion nieder. Das Finale einer großen Show, die sich mal in eine Fantasy-Welt mit bizarren Fabelwesen, mal in eine Zirkuskuppel verwandelt. Tänzer, Artisten, zwei riesige Videoleinwände und eine herausragende Band sorgen dafür, dass über zwei Stunden eine unglaubliche Spannung gehalten wird. Pink verwandelt das Stadion tatsächlich in ein "Funhouse".

Pink ist Pink: Die 39-Jährige ist unverwechselbar. Um soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte geht es in ihren Songs. Ernste Themen. Ein paar Augenblicke später singt sie in "Raise your glass" davon, aus dem Leben eine große Party für alle "schmutzigen kleinen Freaks" zu machen. Und ein bisschen derb kann sie auch sein. Als Pink im Publikum eine Frau entdeckt, die ihre kleine Tochter auf der Schulter hat, fragte sie nach dem Alter des Mädchen. Sieben Jahre alt ist es. "Sieben Jahre ist ein perfektes Alter. Mit acht mögen sie dich nicht mehr", gibt die Sängerin der Kleinen mit auf den Weg. Pink ist eben Pink.

Pink kommt wieder: Die "Beautiful-Trauma-Tour" macht noch einmal in der Nähe Station. Am 9. August verwandelt Pink das Gelsenkirchener Stadion in ein "Funhouse".

Mehr von Westdeutsche Zeitung