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Konzert mit "Wanda": Eine Nacht voller Wein und „Amore“

Konzert mit "Wanda": Eine Nacht voller Wein und „Amore“

Die österreichische Band „Wanda“ machte am am Freitag im Kölner Palladium Station und präsentierte eine gelungene Mischung aus Rock’n‘Roll und Wiener Schmäh.

Köln. Was für ein Abend ist von einer Band zu erwarten, die für sich selbst das eigenwillig anmutende Genre „Popmusik mit Amore“ kreiert hat? Von Helene Fischer bis Eros Ramazotti mag sich beim geneigten Hörer da ein abenteuerliches Assoziationscluster entspinnen, um dann erleichtert festzustellen: „Wanda“ stehen für handgemachten Indie-Rock mit deutschen Texten und tummeln sich stilistisch irgendwo zwischen Falco, Oasis und den Beatles. Die fünf Jungs aus Wien gelten als der österreichische Importschlager der Stunde. Die Feuilletons feiern sie als „die vielleicht letzte wichtige Rockband unserer Generation“ („Musikexpress“) — oder verreißen sie gnadenlos als „eine Fischvergiftung namens Wanda“ („Rolling Stone“). Dazwischen gibt es eigentlich nichts.

Weniger weihevoll geht das Publikum am Freitagabend im ausverkauften Kölner Palladium an die Sache heran. Denn die Fans wissen, was sie bei einem Wanda-Konzert in jedem Fall bekommen: ein verloren geglaubtes Stückchen Rock’n Roll in rauchig-versoffener Kneipenatmosphäre und die Gewissheit, dem nächsten Tag mit vom Singen heiserer Stimme entgegensehen zu dürfen. Auch, wenn es zuweilen komisch wirkt, wenn das Publikum von Rhein und Ruhr sich nach Kräften bemüht, die österreichische Mundart der Texte authentisch zu treffen. Letztere sollte man im Übrigen nicht auf ihre politische Korrektheit abklopfen, wenn Wanda etwa in „Bussi Baby“ Dinge singen wie „Ja, ja, da hast es wieder — Gehst tanzen, legst di’ nieder, weil du weißt, man kriegt kein Weißes ohne Geld...“

Mit ihrem Wiener Schmäh beherrschen Wanda meisterlich die Kunst, das altersmäßig bunt gemischte Publikum für einen Abend zu Zechkumpanen machen und ziehen musikalisch mit ihm nächtens durch die dunklen Gassen der österreichischen Hauptstadt. Dabei beweisen Wanda, dass sie sich seit ihrer Gründung im Jahr 2012 musikalisch durchaus weiterentwickelt haben. Waren ihre Frühwerke, die ersten beiden Studioalben „Amore“ und „Bussi“, in vielen Stücken noch geprägt von melodisch eingängigem, unbekümmertem Schrammelrock, zeigt die Band sich auf ihrem dritten Album „Niente“ von ihrer gereiften Seite. Textlich huldigen sie nicht mehr dem Partyexzess, sondern besingen den süßen Müßiggang „daham“, wenn sie als junge Männer in der Lebenswirklichkeit einer monogamen Beziehung angekommen sind: „Heute gehen wir gar nicht raus — Wir bleiben im Pyjama zu Hause — Nur wir zwei, wie im Traum — Und Columbo schauen“, singt auch das Kölner Publikum textsicher die Single-Auskopplung „Columbo“ mit. Rock’n’Roll in der bürgerlichen Komfortzone sozusagen.

Ihre Heimatstadt Wien zieht sich immer wieder leitmotivisch durch Wandas Musik, die zwischen exzentrischer Selbstverliebtheit und gefühliger Melancholie changiert. Beinahe morbid kommt „Ein letztes Wienerlied“ daher, das Frontmann Michael Marco Fitzhum wie einen finalen Klagegesang im Angesicht des Todes intoniert. Den Abend bestreitet der Sänger dabei tapfer mit einer gebrochenen Hand in Gips und wirkt am Mikro zuweilen wie der junge Liam Gallagher von Oasis. Dessen unverwechselbare Körperhaltung auf der Bühne (Kopf im Nacken, Hände auf dem Rücken verschränkt und zum Mikrofon aufblickend) dürfte Kindern der 90er noch in lebhafter Erinnerung geblieben sein.

Überhaupt ist Frontmann Fitzthum die schillernde Figur der Band. Die Songs interpretiert er stets mit vollem Körpereinsatz und bedient sich zuweilen manch plakativer Rock’n’Roll-Attitüde, etwa wenn er demonstrativ beim Singen eine Zigarette raucht. Ob eine Band das 2018 noch braucht, um als wild und unangepasst durchzugehen, sei dahingestellt. Wanda verzeiht man es. Hinterlassen sie in Köln an diesem Abend doch zumindest das gute Gefühl von Amore im Herzen.