Ed Sheeran: Mit Ritterschlag von Elton John

Ed Sheeran: Mit Ritterschlag von Elton John

Ed Sheeran ist in Großbritannien einer der Stars des vergangenen Jahres. Jetzt erscheint das Album des Songschreibers auch bei uns.

Er sieht schon sehr britisch aus, ein bisschen wie Prinz Harry: Ed Sheeran hat ein Bubigesicht mit heller Haut und rotem, zerzotteltem Haar. Er trägt gern Kapuzenpullis, spricht mit einem unverkennbar englischen Akzent. Er ist gerade einmal 20 Jahre alt. Wenn er sich selbst beschreiben soll, sagt der Musiker: „Manchmal bin ich leise, manchmal bin ich laut. Und ich rede mir ein, dass ich Humor hätte. Aber das stimmt wahrscheinlich nicht.“

Während er das sagt, grinst er, seine Augen wandern schüchtern zu Boden. Der Trubel um seine Person ist noch neu für ihn.

Er ist zur Hälfte Ire, zur anderen Hälfte Engländer. Geboren ist Sheeran im britischen Halifax in der Nähe von Leeds, aufgewachsen in Framlingham (Suffolk). Er lernte Gitarre, schrieb die ersten Lieder im Alter von elf Jahren — beeinflusst von Damien Rice, Van Morrison und Bob Dylan.

Sein erster Auftritt war bei einem Wohltätigkeitskonzert in der Schule, er spielte ein Cover von Eric Claptons „Layla“. „Es saßen 200 Leute im Publikum, und ich war total nervös. Aber als ich fertig war, hat mir das den Kick gegeben, und ich wollte nichts anderes mehr machen als Musik“, sagt Sheeran.

Eigentlich wollte er als Kind Lokführer werden. Und dann waren da noch seine Eltern, die natürlich gern gesehen hätten, dass ihr Sohn nach der Schule eine Uni besucht. Doch daraus wurde nichts. Sheeran setzte sich durch, zog mit 16 Jahren nach London. Er spielte in kleinen Clubs und übernachtete bei Freunden auf dem Sofa. Eine Wohnung in Englands Hauptstadt war zu teuer für den jungen Musiker. Sheeran verkaufte selbstgebrannte CDs aus seinem Rucksack, hielt sich mit kleinen Gigs über Wasser.

Bei seinen ersten Konzerten standen oft nur fünf Leute vor der Bühne. „Das war mir damals egal, ich habe auch nichts anderes erwartet. Ich war jung, und mich kannte keiner. Aber es hat mir trotzdem Spaß gemacht“, sagt der Sänger. Eine Zeit lang spielte er jeden Tag, manchmal dreimal an einem Abend. Heute kann er sich auf die Schulter klopfen. Er hat durchgehalten, seine Konzerte auf der britischen Insel sind jetzt oft ausverkauft. Sheeran hat den Erfolg, von dem er als kleiner Junge geträumt hat. Sogar Elton John hat ihn schon angerufen und ihm gratuliert. Ein Ritterschlag!

In der ersten Woche nach Erscheinen des Debüts in England verkaufte er 100 000 Alben, stieg mit der Single „The A Team“ sofort auf Platz drei in die Charts ein. Platin ließ nicht lange auf sich warten.

Für ein Konzert braucht er eigentlich nur ein Mikrofon und seine Akustikgitarre. Die bekam er damals von seinem Onkel geschenkt. Seine Lieder handeln von Liebe, Hoffnung und Schmerz. Sie sind ruhig, so wie man es von einem Singer-Songwriter erwartet.

„Ich bin kein Romantiker, mir fällt es nur leicht, Gefühle durch meine Lieder auszudrücken“, sagt Sheeran. „Aber das soll jetzt nicht heißen, dass ich nichts Cooles für meine Freundin mache. Ich habe ihr mal Tickets für ,Shrek — Das Musical’ geschenkt. Das ist doch romantisch, oder?“, sagt er mit einem spitzbübischen Lächeln.

Auf seine Konzerte kommen eher Frauen. Sheeran macht nicht nur typische Singer-Songwriter-Musik. Bei Liedern wie „U.N.I.“ und „You Need Me, I Don’t Need You“ versucht er sich am Sprechgesang. Rapper wie Jay-Z und Eminem habe er immer bewundert. Warum soll man so etwas nicht auch mal mit einer Akustikgitarre kombinieren?

Am 10. Februar erscheint sein Debütalbum endlich auch bei uns. Es heißt schlicht „+“. Was hat es damit auf sich? „Ich würde gerne behaupten, dass es darin nur um eine positive Einstellung geht“, sagt Sheeran. „Aber um ehrlich zu sein mag ich einfach dieses Symbol. Es steht für ein Mehr, für den nächsten Schritt im Leben.“ Und diesen Schritt geht der Brite in diesen Monaten: „Ich habe keinen Plan B. Das sollte man auch nicht, wenn man möchte, dass Plan A funktioniert.“ Sieht ganz danach aus, als könnte es für ihn klappen.

edsheeran.com

Mehr von Westdeutsche Zeitung