Dirigent Christopher Hogwood gestorben

Dirigent Christopher Hogwood gestorben

London (dpa) - Der britische Dirigent Christopher Hogwood, ein Spezialist für Alte Musik, ist tot. Hogwood sei zwei Wochen nach seinem 73. Geburtstag nach einer monatelangen Krankheit am Mittwoch in seinem Haus in Cambridge „friedlich eingeschlafen“, wurde auf Hogwoods Webseite mitgeteilt.

Seine Familie sei bei ihm gewesen.

Hogwood gilt als Pionier der historischen Aufführungspraxis Alter Musik. Auch als Cembalist machte er sich einen Namen. Seit 1992 lehrte er an der Royal Academy of Music in London Alte Musik. Seine Biografie über Georg Friedrich Händel gilt als Standardwerk über das Leben des Komponisten. Sie wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Mit der 1973 von ihm gegründeten Academy of Ancient Music gelang ihm endgültig der Durchbruch. Es war eines der ersten Orchester in England, das auf Originalinstrumenten spielte.

Hogwood studierte zunächst in Cambridge alte Sprachen und Philosophie. Eine Karriere als Archäologe hätte ihn gereizt, das Cembalo war zunächst lediglich Hobby. 1961 begann er dennoch mit dem Cembalostudium unter anderem bei Gustav Leonhardt, ebenfalls ein Pionier der Alte-Musik-Bewegung. Vier Jahre später wurde Hogwood Continuo-Cembalist bei der Academy of St. Martin in the Fields, danach Solo-Cembalist im selben Ensemble.

Mit der Academy of Ancient Music nahm er mehr als 200 CDs mit Musik von Händel, Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven auf. Hogwood gastierte aber auch bei anderen Orchestern wie dem Tonhalle Orchester Zürich oder dem Leipziger Gewandhausorchester. Er interpretierte dann mit großer Leidenschaft romantische Musik oder Werke des 20. Jahrhunderts.

Die Dirigenten-Kollegin Simone Young von den Philharmonikern in Hamburg würdigte Hogwood als einen der bedeutendsten Vertreter der Originalklang-Bewegung. Sie schätze seine „unglaublich vielseitige Arbeit“, sagte sie.

Mit zunehmender Beschäftigung sah Christopher Hogwood die Alte-Musik-Szene durchaus kritisch. „Die Originalklangbewegung ist eher ein bisschen selbstzufrieden geworden“, sagte er einmal. „Man glaubt, man hätte eine Antwort auf jede Frage.“