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Konzertkritik: Bryan Ferry: Perfektionist mit großartiger Band

Konzertkritik : Bryan Ferry: Perfektionist mit großartiger Band

Bryan Ferry geht bei seinem Konzert in Düsseldorf zwar nicht aus sich heraus. Doch seine Musik begeistert die Fans.

Düsseldorf. Die lange Zuhörerschlange vor der Konzerthalle an der Siegburger Straße in Düsseldorf wartet auf Einlass, um eine alternde Musikergröße zu hören. Das wird schon an einem deutlich: WDR 4, auf Schlager, Oldies und Hits spezialisierter Sender, wirbt mit verteilten Gummibärchen bei dieser Zielgruppe für sich. Doch drinnen in der Halle bekommen die Zuhörer — die Mehrheit tatsächlich im Alter 50 plus — ganz anderes auf die Ohren. Und die Bässe lassen die Textilien vibrieren: Bryan Ferry, vor 45 Jahren Mitbegründer und Kopf der legendären Band Roxy Music, geht nach seinem letzten Besuch vor zwei Jahren noch mal auf Tournee durch Deutschland. Mit Düsseldorf als zweiter Station.

Der schlanke 71-Jährige, im Anzug, aber ohne Krawatte, ist unbestritten der Kopf der zehnköpfigen Band. Mit seiner unverwechselbaren, zuweilen traurigen, etwas wimmernden Vibratostimme. Doch die perfekte Mannschaft hinter und neben ihm, die großartigen Musiker sind gemeinsam der Star. Besonders die Saxophonistin, die Geigerin, aber auch der zweiköpfige Unterstützerchor tragen ihn. Manchmal geht sein Gesang sogar unter in den bombastischen Klanggebilden, die seine Helfer auf der Bühne da um ihn aufbauen.

Ferry sieht die Musik als Kunstwerk, auf das er sich voll und ganz konzentriert. Da gönnt er sich keinen Ausflug in eine Kommunikation mit dem Publikum. Als er nach 70 Minuten das erste Mal den Applaus mit einem „Thank you Düsseldorf“ beantwortet, geht er für seine Verhältnisse schon weit aus sich heraus. Das war’s dann aber auch schon mit der persönlichen Ansprache.

Was der Brite und seine Leute spielen, ist viel Altbekanntes: Das berühmte „Slave to love“ steht bereits an zweiter Stelle der Setlist und stimmt die mit ihm gealterten Fans ein. Großartig immer noch seine eigenwillige Interpretation des Bob-Dylan-Stücks „Simple Twist of Fate“ oder „Like a hurricane“ von Neil Young. Die Begeisterung über die perfekte Inszenierung einer variablen Musik, die sich zwischen Rock, Jazz und viel Experimentellem bewegt, ist in der bestuhlten Halle zu spüren — es gibt viel Applaus nach den Stücken aber auch nach einzelnen Soli, die sich die Musiker wie Staffelstäbe zuwerfen. Besondere Momente sind es immer wieder, wenn Saxophonistin und Keyboarderin Jorja Chalmers aus der letzten Reihe der Bühne mit ihrem Saxophon oder ihrer Oboe nach vorn kommt, sich neben Ferry stellt und den Stücken einen ganz besonderen Zauber gibt.

Und doch dauert es mehr als eine Stunde, bis der Funke endgültig zum Publikum überspringt. Nach seinem Klassiker „Avalon“ hält es die Zuhörer nicht mehr auf den Stühlen. Als viele nach vorne zur Bühne drängen, reagiert Ferry mit einem für ihn schon ungewöhnlich enthusiastischem „Ah, there you are“. Und da zeigt dann auch seine vorher eher kontrollierte Körpersprache bei Stücken wie „Let’s stick together“ oder dem berühmten „Jealous Guy“, zu dem er selbst ins Mikrofon pfeift, dass ihm das Ganze viel Spaß macht. Abgekämpft wirkt Ferry aber ganz und gar nicht, als er mit weiterhin perfekt sitzender Frisur nach gut 100 Minuten die von abwechslungsreichen Lichteffekten begleitete Show beendet. Das Hallenlicht geht so kompromisslos an, dass niemand auf die Idee kommt, eine Zugabe einzufordern.