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Kritik an Kollegah und Farid Bang: Antisemitismus beim Echo: „Das ist nicht nur Provokation, das ist schon gefährlicher“

Kritik an Kollegah und Farid Bang : Antisemitismus beim Echo: „Das ist nicht nur Provokation, das ist schon gefährlicher“

Düsseldorf. Die Hamburger Rapper von Neonschwarz sind Vertreter eines neuen, politischen Rap in Deutschland. Wir sprachen mit Gründungsmitglied Johnny Mauser über den Echo-Eklat.

Antisemitische Rap-Zeilen über Auschwitz-Häftlinge werden mit dem „Echo“ belohnt. Wie ist Ihre Haltung zu einer Line wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“?

Kollegah (r) und Farid Bang während der Echo-Preisverleihung. Foto: Jörg Carstensen

Johnny Mauser: So eine Line geht gar nicht klar. Klar ist im Rap Provokation immer da. Aber es werden einfach oft Grenzen überschritten, die im Bereich Antisemitismus, Sexismus, Homophobie so was von menschenverachtend sind — und überhaupt nichts damit zu tun haben, einen besonders coolen Rap-Song zu schreiben. Das hat sich so krass gesteigert. Trotzdem glaube ich, dass eine einzige Line auch nicht das Entscheidende an dem Problem Antisemitismus im Rap ist, sondern dass da oft gesamte Weltbilder hinterstehen — eben ziemlich simple bei vielen Rappern. Unter anderem bei Kollegah zum Beispiel, die ja auch schon vorher durch Texte und Videos aufgefallen sind, in denen es eine Weltmacht gibt, den Juden im Hintergrund, der die Strippen zieht. Das ist im Hip-Hop schon erschreckend weit verbreitet. Das darf man nicht als Provokation abstempeln, sondern ist schon gefährlicher.

Das heißt generell in der ganzen Szene?

Mauser: Ja, da gibt es auch viele andere Beispiele. Ich denke, Deutschland hat generell ein Antisemitismus-Problem.

Wann ist die moralische Schmerzgrenze im Rap erreicht?

Mauser: Ich kann das nur aus unserer Sicht als Band Neonschwarz sagen. Wir gucken ja, dass wir einen anderen Hip-Hop machen. Hip-Hop ist ja auch nicht nur ein Ding, was man in eine Schublade packt. Wir sprechen schon länger an, dass gewisse Dinge gar nicht gehen: Schwulenhass, Frauenhass, Judenhass, diese ganzen Diskriminierungsformen, das ist für mich schon immer eine Übertretung in einer Battleline gewesen. Das sind krasse Sachen, die da unterwegs sind. Mit so einem Typ würde ich mir nicht die Bühne teilen. Es ist wichtig, klare Grenzen zu ziehen.

Die Härte der Texte sorgt immer wieder für Kontroversen. Funktioniert Gangsta-Rap nur so?

Mauser: Erfolgreiche Rapper kommen oft aus sozial schwierigen Milieus. Ich höre mir die Songs manchmal auch gerne an. Diese Härte finde ich ganz cool. Wenn jemand etwa über einen Drogendeal rappt, kann ich mir das antun. Da stehe ich nicht hinter, aber das kann ich mir quasi wie einen Actionfilm anhören. Gerade in Bezug auf Jugendliche: Wenn antisemitische Sprüche Standard sind, ist das ein klarer Rollback, wo man gesellschaftlich vielleicht schon mal weiter war.

Schneiden sich Kollegah und Co. nicht ins eigene Fleisch?

Mauser: Das glaube ich nicht. Das ist eine Szene, die sich wenig um politische Themen kümmert und relativ stumpf ist. Also ich glaube nicht, dass die Karriere von Farid Bang und Kollegah damit den Bach runtergeht, fürchte ich.

Campino will ein Bewusstsein schaffen. Hat er das erreichen können?

Mauser: Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, dass es einen Diskurs gibt. An sich ist dieser Diskurs in den letzten Jahren immer weiter nach rechts gerutscht, so dass solche Tabubrüche ja mittlerweile gehen. Es ist ziemlich schwer, das zurückzuerkämpfen.