Alligatoah würzt sein Konzert in Köln mit Ironie und Sarkasmus

Konzert : Alligatoah würzt sein Konzert in Köln mit Ironie und Sarkasmus

Der 29-jährige Rapper spielte am Sonntagabend in der Lanxess-Arena das letzte Konzert auf seiner „Wie Zuhause“-Tour.

Schon bevor Lukas Strobel am Sonntagabend die Bühne der Arena betritt, hat er Welten verbunden. Wo sonst, wenn nicht beim Rapper, der besser unter den Namen Alligatoah bekannt ist, findet man Fans der Rockmusik und Anhänger des Hip-Hop Seite an Seite im Einklang? Und bei welchem Künstler findet man sonst junge Frauen und Männer zu gleichen Anteilen?

Alligatoah ist ein Meister seines Fachs, verzichtet auf das Image des harten Jungen, des Gangster-Rappers, gibt stattdessen den Provokateur, spielt mit der Übertreibung als Stilmittel seiner Musik. Die besteht aus schnellem Rap garniert mit eingängigen Melodien, die insbesondere in den Refrains zum Tragen kommen. Zwischendurch wagt Alligatoah Ausflüge in die Rockszene („Hass“), versucht sich mitunter aber auch an ruhigeren Tönen. Die Texte sind streitbar, zuweilen maßlos überzeichnet, stets aktuell und immer mit einem Augenzwinkern und einer Portion Sozialkritik versehen – ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu erheben („Freie Liebe“, „Beinebrechen“).

Der 29-Jährige singt am Puls der Zeit, moderiert zwischen den Liedern in seinen „Lieblingssprachen“ Sarkasmus und Ironie. Seine Antwort auf die Diskussion um SUVs, E-Autos und E-Scooter, die gerade die Zentren der großen Innenstädte überschwemmen, ist die Mülltonne, denn die ist emissionsfrei. Das Klima kommt bei Alligatoah nicht zu kurz. Als das Publikum mit einer aufblasbaren Erdkugel wirft, mahnt er: „Geht vorsichtig mit dem Planeten um. Wir haben nur drei davon.“

Politik in den Liedern,
dazwischen nur Spaß

Die Lacher hat er damit auf seiner Seite. Und mit dem nächsten Atemzug ergänzt er: „Und schon kaputt, das ging schnell. Ist ja wie beim echten Planeten.“ Ansonsten verzichtet der Rapper auf politische Statements oder Ansagen zwischen den Songs. Sein Motto lautet stattdessen Spaß haben.

Alligatoah spielt in Köln ein unterhaltsames Konzert, Bühnenbild und Outfits tragen zum kurzweiligen Abend bei. „Wie Zuhause“ ist seine Tour betitelt, deren letztes Gastspiel in Köln stattfindet. Wie ironisch ist es da, dass der Rapper ausgerechnet vor der Kulisse des imaginären „Hotels Kaliforniah“ spielt. Er selbst im Dress des Hoteldirektors, sein Backgroundsänger als Liftboy verkleidet, die vierköpfige Band in senfgelben Bademänteln und Adiletten. Das ist schon komisch genug. Wenn sich der Mittelteil des Hotel-Bühnenbildes dann aber immer wieder aufs Neue wandelt, mal Darkroom, mal Fitnessraum und mal Außenfassade inklusive Baustelle darstellt, dann wird deutlich: Hinter Alligatoah steckt ein kreativer Kopf oder ein verrücktes Kreativ-Team – im positiven Sinne.

Das überwiegend junge Publikum feiert Alligaotah, lässt sich im Innenraum spalten („Meinungsfrei“), um im nächsten Moment im Moshpit (Kreis, in dem das Publikum tanzt und springt) mit Gewalt aufeinander zu treffen. Überraschend ist an diesem Abend, dass sich das Publikum komplett auf den Künstler einlässt. Nur sehr selten werden Handys gezückt, um Videos und Fotos aufzunehmen oder aber um die Arena für Alligatoah, der Ende des Monats seinen 30. Geburtstag feiert, wie einen Sternenhimmel leuchten zu lassen. Nach gut 100 Minuten verabschiedet sich der Rapper mit „Du bist schön“, nur um wenige Augenblicke später noch eine Zugabe zu geben. Natürlich spielt er dabei seinen bislang größten Hit, in dem er sein Publikum fragt: „Willst Du mit mir Drogen nehmen?“

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