Mummenschanz — Theater ganz ohne Worte

Mummenschanz — Theater ganz ohne Worte

Im Mai gastiert die Theatergruppe um Gründerin Floriana Frassetto mit ihrem aktuellen Programm „You & Me“ in der Kölner Philharmonie.

Köln. Es sind wundersame und zugleich wunderschöne Wesen, die da über die dunkle Theaterbühne huschen. Mal sind es Meerestiere wie Seepferdchen oder Quallen, die scheinbar schwerelos in der Dunkelheit schweben, dann treiben knallgrüne Frösche und Würmer ihren Schabernack mit Blättern und Fliegen. Auch Instrumente wie Violinen und Triangeln erwachen im neuen Programm der Schweizer Figurentheatergruppe Mummenschanz zum Leben. Dazu kommen Klassiker wie Knetmasse als Gesicht oder die ballspielenden Röhren, mit denen das Ensemble seit Jahrzehnten das Publikum weltweit begeistert. Zu sehen gibt es die neue Show „You & Me“ vom 19. bis zum 21. Mai in der Kölner Philharmonie.

Foto: Marco Hartmann/BB Promotion

Das aktuelle Ensemble besteht aus dem Gründungsmitglied Floriana Frassetto und ihren vier jungen Kollegen Kevin Blaser, Sara Francesca Hermann, Oliver Pfulg und Christa Barrett. „Anfang der Siebziger studierte ich Pantomime in Rom und mein Lehrer, der Schweizer Roy Bosier, hatte Bernie und Andres eingeladen. In einem ziemlich schrägen Garagentheater traten sie unter dem Namen Masken- und Narrenspiel auf. Damals hatten sie noch Stücke im Programm, in denen gesprochen wurde. Das mit den Toilettenpapierrollen zum Beispiel“, berichtet Frassetto von den frühen Anfängen von Mummenschanz.

1972 wurde das Theaterkollektiv in Paris gegründet. In Zürich wurde die Gruppe vom amerikanischen Impresario Arthur Shafman entdeckt und ging auf US-Tournee — auch am Broadway war Mummenschanz zu Gast. Später ging es für die Schweizer rund um den Erdball — neben Amerika und Europa waren Mummenschanz beispielsweise auch in Asien erfolgreich. Christa Barrett ist zusammen mit Kevin Blaser das jüngste Ensemblemitglied. „Ich habe im Süden der Schweiz mein Theaterstudium absolviert und wurde von Floriana zu Proben eingeladen. Ich habe Masken ausprobiert und dabei improvisiert“, sagt die 27-Jährige. „Das war Liebe auf den ersten Blick — nach vier Stunden Probe“, ergänzt Frassetto. In den 80er Jahren gab es auch Castings direkt am Broadway: „Oft haben wir hervorragende Tänzer abgelehnt, weil sie nicht zu uns gepasst haben. Es geht bei uns um minimales Spiel mit sehr viel Gefühl“, sagt sie. „Ich bin eine alte Junge und arbeite oft mit jungen Kollegen zusammen. Wichtig ist für mich bei neuen Ensemblemitgliedern die Persönlichkeit. So bringt jeder etwas Neues in unsere einzigartige Welt. Wir diskutieren sehr viel zusammen und ändern auch immer wieder etwas beim Programm. Das ist eine Herausforderung, macht aber auch Freude.“

Leidenschaft ist auch für Sara Francesca Hermann wichtig, die seit 2015 bei Mummenschanz ist: „Das Ganze ist ein Spiel mit einer ganz eigenen Sprache — das, was wir auf der Bühne tragen, wird zu einer zweiten Haut. Mummenschanz ist ein ganz eigenes Genre“, sagt die 32-Jährige.

Zwei Stunden dauert das neue Programm und es fasziniert von der ersten bis zur letzten Sekunde. Entworfen und hergestellt werden die Masken und Requisiten von Frassetto in ihrem Schweizer Atelier. Dabei sind es oft ganz einfache Dinge, wie ein alter Regenschirm, der sich in eine Qualle verwandelt. Es kommen aber auch Hightech-Materialien wie eine Spezialfolie von Bertrand Piccard zum Einsatz. „Es ist eine besondere Intimität, die sich bei unseren Auftritten mit dem Publikum einstellt. Dazu gehört für uns viel Passion. Man vergisst alles um sich herum und konzentriert sich nur noch auf das Spiel“, sagt Frassetto.

Immer wieder hält die Schweizerin Ausschau nach jungen Talenten, um sie in ihr Ensemble einzubinden. Damit schafft sie es, dass sich Mummenschanz nach mehr als vier Jahrzehnten stetig weiterentwickelt. Auch bei der Tour ändert sich das Programm fortlaufend. „Wir müssen immer erst den richtigen Rhythmus bei unseren Nummern finden“, erklärt Floriana Frassetto. Ein gutes Publikum seien dabei immer die US-Amerikaner gewesen. „Die sind wie Kinder und reagieren immer direkt auf das, was sie auf der Bühne sehen.“