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Monheim Triennale: Ein Musik-Festival erfindet sich selbst

Zeitgenössische Musik : Premiere für die Monheim Triennale: Ein Festival erfindet sich selbst

Mit der Triennale will Monheim der zeitgenössischen Musik Anfang Juli ein internationales Forum bieten. Im Mittelpunkt steht der Prozess.

Der Ort für die Bekanntgabe des Festivalprogramms ist nicht zufällig gewählt. Das Café „Zum goldenen Hans“ am Ernst-Reuter-Platz in Monheim bettet sich ein in eine Hochhauskulisse. Kultur-Avantgarde würde man in dieser Umgebung nicht unmittelbar vermuten. Der Raum wurde Anfang des Jahres in Rekordzeit als Ausweichmöglichkeit des örtlichen Kulturzentrums „Sojus 7“ hergerichtet. Jetzt wird hier vorgestellt, was für die Monheim Triennale vom 1. bis 5. Juli programmatisch schon feststeht. Vor allem aber steht fest, dass sich in diesen Tagen am Rhein Höher- und Niederschwelliges in womöglich einzigartiger Weise begegnen werden.

1,5 Millionen Euro nimmt die Stadt in die Hand, um in der Musik fortzusetzen, was schon in der bildenden Kunst Teil des kommunalen Verständnisses von kultureller Bildung geworden ist: die Teilhabe am künstlerischen Schaffensprozess, die Begegnungmöglichkeit mit Künstlern und ihren Werken jenseits der tradierten Kulturtempel – am Ende also etwas, das man wohl am besten mit Herausforderung beschreibt.

Raum für improvisierte, komponierte und populäre Musik

Marcus Schmickler eröffnet die Monheim Triennale unter freiem Himmel am 1. Juli mit dem Werk „Entwurf einer Rheinlandschaft“. Foto: monheim Triennale/Monheim Triennale

Dafür hat sich die Stadt mit Reiner Michalke den Programmverantwortlichen des Kölner „Stadtgartens“ und einstigen künstlerischen Leiter des Jazzfestivals in Moers als Intendant geholt. Der mag aber in Monheim überhaupt nicht mehr mit dem Jazzbegriff hantieren. Sein Konzept sieht vor, dass sich hier improvisierte, komponierte und populäre Musik des 21. Jahrhunderts begegnen – und aufeinander beziehen.

Der gesamten Festivalidee haftet etwas Prozesshaftes an. Keiner der 16 für die Premiere verpflichteten Künstler soll einfach ein fertiges Produkt abliefern und danach wieder abziehen. Alle sind aufgefordert, sich in mindestens drei Auftritten aus unterschiedlichen Perspektiven zu präsentieren und sowohl untereinander in Kontakt zu treten als auch mit den Menschen vor Ort.

Dass die überhaupt Interesse daran haben, war im Vorfeld durchaus bezweifelt worden. Aber das Vorkaufsrecht der Monheimer ist stärker in Anspruch genommen worden als erwartet: 200 der 800 Festivalkarten waren sofort weg. Und Achim Tang, seit einem Jahr verpflichteter und vor Ort lebender Musiker, erzählt begeistert von den vielen Brückenschlagprojekten, die im Vorfeld des Festivals schon entstanden sind. Inzwischen tourt bereits eine Coverband mit Stücken der Festivalkünstler durch die Stadt, ehe diese hier überhaupt erstmals im Original zu hören waren.

Phillip Sollmann  plant für die Kulturraffinerie eine Klanginstallation, aber mit „Gegen die Zeit II“ auch ein Konzert.             Foto: Monheim Triennale

Festgelegt sind bisher nur die rund 30 Konzerte, die für die beiden großen Veranstaltungsorte vorgesehen sind: die Kulturraffinerie K714 und das neue Eventschiff der Köln-Düsseldorfer Rheinschifffahrt, das im Juli an Monheims gerade zweieinhalb Jahre altem Schiffsanleger vor Anker gehen wird. Die weiteren 30 bis 40 Konzerte an kleineren Orten sollen erst Mitte Mai feststehen. „Und wenn sich Musiker noch beim Festival selbst verabreden, werden wir versuchen, auch dafür abends einen Raum zu finden“, kündigt Michalke an. Im Grunde erfindet sich die Monheim Triennale zumindest zum Teil in ihrem Verlauf selbst.

Die Premiere in diesem Jahr gilt als Vorläufer des Projekts. Im dreijährlichen Rhythmus soll es wiederholt werden, daher auch der Name. „Der Vorteil ist: Man kann die eine Geschichte abschließen, bevor man die nächste erzählt“, sagt Michalke. Bis 2023 wird die ehemalige Abfüllanlage der Shell-Raffinerie in Höhe des Rheinkilometers 714 dann auch zu einer Veranstaltungshalle für 1900 bis 4000 Besucher umgebaut sein.

„Ich würde behaupten, dass das kulturelle Interesse in Monheim ein besonderes ist“, sagt Bürgermeister Daniel Zimmermann. Aber auch bei der Triennale müssen sie nicht für alles bezahlen. Am ersten Abend präsentiert Komponist Marcus Schmickler auf beiden Seiten des Rheins seine Auftragskomposition „Entwurf einer Rheinlandschaft“. Das Open-Air-Konzert wird frei zugänglich sein, beteiligt sind unter anderem ein 20-köpfiger Projektchor und das Akkordeon-Orchester  aus Monheim-Baumberg. Intendant Michalke beugt bereits falschen Erwartungen vor: „Es wird ungefähr das genaue Gegenteil von ,Rhein in Flammen’ werden.“