Schloss Moyland: Der Horizont von der Filmrolle

Schloss Moyland: Der Horizont von der Filmrolle

15 Fotokünstler zeigen phantastische Landschaften.

Bedburg-Hau. Das Museum Schloss Moyland liegt am Niederrhein, wo der Horizont als Grenzlinie zwischen Erde und Himmel besonders die Landschaft prägt.

Gerade deshalb bittet die Museumschefin Bettina Paust zur Ausstellung über eine "Landschaft ohne Horizont". Es ist ihre erste groß angelegte Fotoschau.

Fotokünstler von heute gehen sehr differenziert mit der Landschaft um. Der Altmeister der Konzept-Kunst, Timm Ulrichs (70), spielt mit dem Klischee eines Horizonts. Er holt die Endstücke von Rollfilmen aus der Schublade. Diese Abfallprodukte des Fotolabors zeigen den Übergang des unbelichteten zum belichteten Filmstreifen. Sie ergeben als Vergrößerung auf Fotopapier jene aufscheinende Farbwirkung, die unwiderstehlich schön erscheint, wie eine untergehende Sonne. Nur: Die Landschaft ist vorgegaukelt.

15 Künstler machen mit, darunter Stars wie Thomas Struth, der Fotograf der "Paradies"-Serie, der seit den 1990er Jahren aus den planen Flächen der Fotografien scheinbar unendliche Tiefenräume macht. Natalie Czech benutzt Luftaufnahmen der Vermessungsämter von Industrieanlagen, Waldstücken oder Siedlungen, die die Veränderungen der Landschaft kartographieren. Sie legt die Bilder aus den verschiedenen Zeiten im Computer übereinander und erzeugt so phantastische Landschaften, die völlig abstrakt wirken.

Es gibt interessante Neu-Entdeckungen. Die erste ist Daniel Gustav Cramer. Er wurde 1975 in Düsseldorf geboren, studierte in London Malerei und Grafik, wohnt in Berlin und zieht mit der Halbformat-Kamera durch die Wälder, vom Schwarzwald bis nach Weißrussland oder Japan. Er sucht die Flora im Halblicht, durch Nebelschleier gefiltert. Die Ergebnisse, allesamt quadratische Bildausschnitte, suggerieren merkwürdig ältliche Reminiszenzen an romantische Landschaften.

Jitka Hanzlova (52) hält mit der Nachtbild-Kamera zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten in den Karpaten unscheinbare Verästelungen, Farne, Baumstämme und Tümpel fest. Der Naturraum wirkt künstlich und natürlich zugleich, die Hell-Dunkel-Kontraste sind voller Geheimnis. Hanzlovas Aufnahmen bestechen gleichermaßen durch Sachlichkeit und Sensibilität.

Der Finne Miklos Gaál (36) sichtet aus der Vogelperspektive Parkanlagen, Plätze und Badeanstalten. Die Aufnahmen sind so nah und fern im Spiel von Schärfe und Unschärfe, dass sie künstlich wirken. Die Frage nach dem Horizont taucht da nicht mehr auf.

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